Reform mit trüben Folgen

- Die bevorstehende Einführung der Studiengebühren und die neuen Abschlüsse Bachelor und Master setzen die Münchner Studenten offenbar unter Druck. Immer mehr suchen Hilfe wegen psychischer Probleme: Wandten sich im Jahr 2000 noch 444 Studenten an die Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks, waren es 2004 schon 571. Wegen des wachsenden Bedarfs wird das Beratungsangebot jetzt ausgebaut.

Armin Rosch, Geschäftsführer des Münchner Studentenwerks, beobachtet bei seinen Schützlingen einen "erheblichen Zeit- und Leistungsdruck": Arbeitgeber und Politiker fordern kürzere Studienzeiten. Die neuen Abschlüsse Bachelor und Master bringen für die Studenten mehr Prüfungen in weniger Semestern mit sich als bei Magister oder Diplom.

Die Probleme der Studenten haben sich verändert: Früher hätten sich viele an der Hochschule orientierungslos gefühlt, in jüngster Zeit ließen sich immer mehr beraten, die mit dem Leistungsdruck nicht zurechtkämen, erklärt Rosch.

Geradezu alarmierende Zahlen meldet auch die Psychologische Beratungsstelle der Freien Universität Berlin. Mehr als die Hälfte der Bachelor-Studenten braucht demnach zumindest zeitweise Hilfe wegen Depressionen. Vielen bereite die Studienfinanzierung schon jetzt wegen der bevorstehenden Gebühren Sorgen, berichtet Rosch weiter.

Um Ratsuchenden schnell und fachgerecht helfen zu können, verknüpft das Studentenwerk nun die bestehenden und zwei neue Beratungsstellen zu einem Netzwerk. Neu eingerichtet werden zum Sommersemester eine Studienkreditberatung - sie soll dazu beitragen, Studenten vor der Schuldenfalle zu bewahren - und eine Allgemeine Sozialberatung.

Sie ist bei der Studentenvertretung angesiedelt und mit einem Hochschulabsolventen besetzt. Auf diese Weise soll die Schwellenangst rat-suchender Studenten gesenkt werden. Sie finden hier Hilfe bei allgemeinen Fragen.

Die Sozialberatung betreut bislang nur die Ludwig-Maximilians-Universität. Hier gab es bis vor einem Jahr eine ähnliche, von der Studentenvertretung getragene Stelle. Zum Wintersemester sollen auch TU und Fachhochschule eine Sozialberatung bekommen.

Das neue Netzwerk verknüpft die Beratungsstellen: Zeigt sich in der Sozialberatung, dass ein Student Expertenrat braucht, so wird er je nach Bedarf weiterverwiesen - an BAföG-, Rechts- oder Psychosoziale Beratung wie auch an Kredit-, Wohnungs- oder Schwangerenberatung.

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