Wimbledon-Siegerin und Ex-Graf-Rivalin mit nur 49 Jahren gestorben

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"Retortenkind" Louise Brown hat noch keine Familienpläne

- München - Eine medizinische Sensationsmeldung aus England sorgte vor 25 Jahren weltweit für bewundernde Schlagzeilen und zugleich großes Unbehagen: Ein Kind aus der Retorte war geboren worden - das erste künstlich außerhalb des Mutterleibs gezeugte Baby.

<P>John und Lesley Brown, die Eltern der kleinen Louise Joy, die in einer Laborschale entstanden und am 25. Juli 1978 per Kaiserschnitt in die Welt geholt worden war, hatten um das Risiko der Pioniertat gewusst. Mehr als andere besorgte Eltern hatten sie besonders genau ihr erstes Kind angeschaut. Gottlob, es schien völlig normal und gesund zu sein. <BR><BR>Erleichtert waren aber auch die beiden medizinischen "Väter" des Babys, Professor Robert Edwards und Sir Patrick Steptoe, aus der Bourn Hall Clinic in Cambridge, die nach 12 Jahren Forschung bewiesen hatten, dass ein Mensch, der einer künstlichen Zeugung entstammt, keineswegs ein verkümmerter "Homunculus" wird, sondern sich normal entwickeln kann. Die "In-Vitro-Fertilisation" (IVF), wie man die Zeugung in der Laborschale medizinisch benannte, war in der Tierzucht bereits eine etablierte Methode. Doch die Zahl der menschlichen "Retortenkinder" blieb zunächst gering. <BR><BR>Als knapp vier Jahre später in Deutschland, am 16. April 1982, in der Frauenklinik der Uni Erlangen der Bub Oliver W. geboren wurde, war dies erst das weltweit sechste Retortenbaby. Und entsprechend berühmt wurde auch die Erlanger Klinik, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiern kann. Natürlich auch mit einer umfassenden historischen Schau der fränkischen Retortenkinder. <BR><BR>Heute leben auf unserem Planeten mehrere hunderttausend weitere Kinder, die einer künstlichen Befruchtung entstammen. Eines davon ist Natalie, Louises Schwester, die fünf Jahre nach ihr zur Welt kam. Sie hat heute zwei eigene Kinder (normal gezeugt). Louise Brown dagegen, die als Postangestellte ihr Brot verdient, hat nach Angaben britischer Zeitungen noch keine Familienpläne. Den Rummel um ihre Person hat Louise nie gemocht. <BR><BR>Inzwischen gibt es weltweit hunderttausende Retortenkinder</P><P>Bei Oliver W. haben die Eltern und das Team um den Frauenarzt Siegfried Trotnow und die Biologin Tatjana Kniewald, die zur "zweiten Mutter" des Erlanger Retortenbabys wurde, dafür gesorgt, dass der Bub eine ganz normale Kindheit in Oberfranken erlebte. Er verdient heute sein Geld als Gas- und Wasserinstallateur. Um Vorurteilen vorzubeugen: 1992 stellte eine Studie der Uni Erlangen fest, dass IVF-Kinder nicht kränker als andere, nicht dümmer und nicht gescheiter sind.<BR><BR>Heute bieten viele Kliniken Paaren die IVF-Methode an, speziell, wenn die Eileiter der Frau verklebt oder sonst geschädigt sind.<BR><BR>Wenn dagegen eine geschwächte Samenqualität beim Mann Ursache der Kinderlosigkeit ist, wird eine zweite Methode, die Spermieninjektion in das Zytoplasma der Eizelle (ICSI) gewählt. Die Samenzellen brauchen dann keine Kraft, um in die Eizelle einzudringen, sie werden direkt injiziert. Es gibt noch weitere Methoden künstlicher Befruchtung. Doch trotz aller Fortschritte kommt es im Durchschnitt bei jeder dritten von 100 künstlichen Befruchtungen nicht zu einer Schwangerschaft. Bei den 35- bis 43-Jährigen sinkt die Erfolgsquote bis auf fünf Prozent. <BR><BR>Ein Grund: Bei älteren Frauen sind die Chromosomen in den Eizellen oft nicht mehr in Ordnung. Um gesunde Eizellen zu finden, wird inzwischen die Polkörperdiagnostik angewandt: Nach der Spermien-Injektion in die Eizelle schneidet der Arzt mit einem Laserstrahl ein winziges Loch in die Zellhülle und entnimmt das Polkörperchen, einen Zellteil, der einen kompletten Chromosomensatz hat, später aber verkümmert.<BR><BR>Erlangen machte noch durch weitere Sensationen von sich reden: 1986 mit dem ersten Baby aus einem tiefgefrorenen Embryo in Deutschland, 1987 mit dem ersten deutschen Baby aus einer tiefgefrorenen Eizelle. Mit den Erfolgen mehrten sich auch die Kritiker, die nach nicht verwendeten befruchteten Eizellen und Embryonen fragten. Sollte man sie "entsorgen"? <BR>An einem Stichtag im Jahr 2002 lagerten in der Erlanger Frauenklinik 773 befruchtete Eizellen und 8 Embryonen bei minus 196 Grad im Stickstofftank.<BR><BR>In Deutschland ist heute die Übertragung von bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter gesetzlich erlaubt. Die Befruchtung von überzähligen Eizellen ist ebenso wenig gestattet wie die Selektion durch eine medizinische Vorauswahl. <BR><BR>Im Jahr 2001 war jedes vierte IVF-Baby ein Zwillings- oder Drillingskind. Damit nicht alle Mehrlinge geboren werden, greift mancher Mediziner auch schon mal zur umstrittenen tödlichen Spritze. Ethische Fragen stellen sich nicht nur hier. Denn im Labor ist menschliches Leben manipulierbar. </P>

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