+
Der EuGH hat das illegale Streamen von Filmen und Serien erschwert. Foto: Andrea Warnecke

Nach EuGH-Urteil

Risiko für Zuschauer illegaler Streams gestiegen

Vorbei ist die vermeintliche Sicherheit, dass reines Streamen von Filmen im Netz nicht verfolgt wird. Durch ein neues Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist das Abmahnrisiko gestiegen.

Luxemburg (dpa/tmn) - Nutzer von illegalen Streaming-Seiten konnten sich bisher weitgehend in Sicherheit wiegen. Während die Betreiber von Plattformen wie kinox.to verfolgt wurden, blieben Nutzer meist unbehelligt. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnte es damit vorbei sein.

Laut EuGH (Az.: C-527/15) kann auch eine flüchtige Vervielfältigung wie beim Streaming eine Urheberrechtsverletzung darstellen. Im Gegensatz zum Filesharing wird der Film dabei nicht dauerhaft abgespeichert.

Eine Abmahnwelle sei aber nicht zu befürchten, lautet die Einschätzung von Rechtsanwalt Jonas Kahl aus Leipzig. Das liegt zum einen daran, dass es beim Streaming nicht ohne weiteres möglich ist, die IP-Adressen der Nutzer zu ermitteln. Zum anderen müssten Gerichte im Einzelfall klären, ob ein Nutzer die illegale Natur eines Angebots erkennen konnte. Gerade das sei aber wegen der vielfältigen Streamingangebote für viele Menschen nicht immer ersichtlich, so Kahl. Zudem spiele es eine Rolle, ob der Absatz des Originalfilms durch das illegale Angebot beeinträchtigt wurde.

Wer erwischt wird, müsse vermutlich mit geringeren Kosten als bei einer Abmahnung wegen Filesharings über Online-Tauschbörsen rechnen. Beim Streaming eines Films werden schließlich keine Daten an Dritte weitergegeben. Der Schaden für den Rechteinhaber sei deswegen geringer.

Kahls Ratschlag: Wer kein Risiko eingehen will, geht illegalen Angeboten am besten aus dem Weg. Doch wie erkennt man sie? Helfen kann etwa ein Blick ins Impressum - falls es eins gibt. Auch eine Flut von Werbebannern kann Anzeichen für ein illegales Angebot sein. Und wenn ganz neue Kino-Filme oder Serien kostenlos im Netz angeboten werden, ist es ziemlich sicher illegal.

Urteil des EuGH

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Games-Charts: surreale Rätsel, Labyrinth- und Rollenspiele
Es herrscht Bewegung unter den angesagten iOS-Games: Gleich drei Apps haben in dieser Woche den Sprung in die Charts geschafft. Jede von ihnen repräsentiert einen …
Games-Charts: surreale Rätsel, Labyrinth- und Rollenspiele
Facebook: Möglicherweise trifft Datenskandal keine Europäer
Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat Facebook auch in Europa schwer unter Druck gebracht. Jetzt heißt es plötzlich, vielleicht seien gar keine Europäer betroffen …
Facebook: Möglicherweise trifft Datenskandal keine Europäer
Facebook verbessert die Anmeldung in zwei Schritten
Um sich bei Facebook anzumelden, können Nutzer mit der zweistufigen Authentifizierung einen besonders sicheren Weg wählen. Bisher ging dies nur mit hinterlegter …
Facebook verbessert die Anmeldung in zwei Schritten
Instapaper macht Pause wegen Datenschutz-Verordnung
Ab dem 25. Mai gilt in Europa die neue Datenschutz-Verordnung. Doch weil der Online-Dienst Instapaper noch nicht in der Lage ist, die Vorschriften einzuhalten, verordnet …
Instapaper macht Pause wegen Datenschutz-Verordnung

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.