Risiko am Steuer: Medikamente

- Rund ein Drittel aller Verkehrsunfälle entstehen unter dem Einfluss von Medikamenten. "Vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel erhöhen die Unfallgefahr", warnt Gerd Laux, Professor für Psychiatrie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Studien zeigen, dass Beruhigungs- oder Schlafmittel (untersucht wurde die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine) das Unfallrisiko bis auf das 6,5fache erhöhen können. Sie beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen mehr.

<P>Rund ein Fünftel der Medikamente, die bundesweit auf dem Markt sind, senken die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und damit auch die Verkehrstauglichkeit. Das ist das Fazit einer Studie von conTest, dem Zentrum für Psychometrie des TÜV Rheinland in Köln. Bei den Arzneien handelt es sich nicht nur um Schlaf- und Beruhigungsmittel, sondern auch um Antihistaminika gegen Allergien, Medikamente gegen Schizophrenie und Depression.<BR><BR> Im Gegensatz zum Alkohol gibt es für Arzneien keine Grenzwerte. Laux: "Grenzen sind nicht sinnvoll, da sich die individuelle Verkehrstauglichkeit nach Medikamentengaben stark unterscheidet." Alkoholkonsum verstärkt den Einfluss der Arzneien auf die Konzentration, bereits geringe Mengen können die Fahrtüchtigkeit erheblich senken. <BR><BR>"Medikamente gegen Depression erhöhen das Unfallrisiko weniger als Schlaf- oder Beruhigungsmittel", so Laux. In einer eigenen Studie überprüfte der Psychiater die Wirkung verschiedener Anti-Depressiva auf die Verkehrstauglichkeit. Patienten, die wegen einer Depression stationär aufgenommen worden waren, wurden kurz vor ihrer Entlassung untersucht. Laux: "Lediglich 30 Prozent von ihnen erwiesen sich als fahrtüchtig." <BR><BR>Am schlechtesten schnitten Personen ab, die Medikamente aus der ältesten Gruppe der Anti-Depressiva (so genannte Trizyklika) einnahmen. Die Arzneimittel können Betroffene sehr müde machen.<BR><BR>Doch nicht nur Medikamente, auch die Depression selbst führt zur Abnahme der Konzentrationsfähigkeit. "Patienten mit einer akuten Depression dürfen gar nicht ans Steuer", so Laux. In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Es gibt verschiedene Depressionsformen. Manche Betroffenen benötigen lebenslang eine Therapie, andere nur vorübergehend. Patienten mit manischen Phasen nehmen Lithium ein. "Die Diagnose ist oft schwierig", sagt Laux. "Nicht alle Patienten klagen über typische Symptome wie Antriebslosigkeit." Manche geben nur körperliche Beschwerden an, zum Beispiel Rücken- oder Kopfschmerzen. <BR><BR>"Viele Unfälle entstehen durch falsche Medikamenteneinnahmen", erklärt Laux. Er schätzt, dass sich etwa die Hälfte der depressiven Patienten nicht an die empfohlene Arzneimittelgabe hält. Schlafmedikamente nehmen Personen auch häufig falsch ein: "Statt abends greifen sie nachts zu ihnen", so Laux. "Am nächsten Morgen sind sie dann müde und unkonzentriert." <BR><BR>Vor jeder Medikamenteneinnahme sollte man den Beipackzettel studieren. Da dort aber nur pauschale Verkehrswarnhinweise stehen, sollte man unbedingt mit dem behandelnden Arzt über die individuelle Fahrtüchtigkeit sprechen. <BR><BR>Im Zweifelsfall empfiehlt sich ein Verkehrstauglichkeitstest in einer hierfür spezialisierten Klinik. Solche Tests werden beispielsweise im Bezirksklinikum Gabersee durchgeführt.</P><P> </P>

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