Rockmusik, Mahjong und tausende von Schriftzeichen

- Fast 100 000 Studierende strömen jeden Tag (außer in den Semesterferien) in die Hörsäle, Übungsräume und Labors der Hochschulen im Großraum München. Wir haben einigen Studentinnen und Studenten an einem Tag über die Schulter geschaut, um ihren Studienweg und den Arbeitsplatz aus ihrer ganz persönlichen Perspektive mitzuerleben. Heute: Martin Moser (23), Sinologie- Student.

<P>Die ersten Schriftzeichen hat Martin Moser vor gut vier Jahren selbst zu Papier gebracht: "Das war während meiner Zivi-Zeit. Aus Interesse daran, wie Sprache und Schrift aufgebaut sind, habe ich mir einfach mal ein Chinesisch- Buch gekauft", erzählt der 23-Jährige. </P><P>Auch wenn es, wie er heute sagt, ein schlechtes Buch war: Seine Begeisterung für die Sprache wuchs und brachte ihn, gepaart mit großem Interesse an der anderen Kultur dazu, Sinologie zu studieren - die Wissenschaft von der Sprache und Kultur Chinas. Seine Heimat hat das Fach in München an der Ludwig- Maximilians-Universität am Institut für Ostasienkunde, eine renovierte Villa, die etwas versteckt im Hinterhof zwischen Kaulbachstraße und dem Juristischen Seminargebäude am Professor- Huber-Platz liegt. </P><P>Nach dem richtigen Hörsaal musste Moser, der jetzt im sechsten Semester ist, nie lange suchen: Vier Seminarräume verteilen sich über drei Stockwerke. "Es ist hier alles recht überschaubar und nett", lobt der Student aus Giesing die familiäre Atmosphäre im Institut. Die meisten Lehrveranstaltungen der Sinologen finden am Institut statt. Seine Nebenfächer Volkswirtschaftslehre und Deutsch als Fremdsprache führen Moser aber auch jede Woche ins fünf Gehminuten entfernte Uni- Hauptgebäude. Strich für Strich, zeilenund seitenweise Schriftzeichen üben - über die ersten Anfangshürden ist Moser, der vor einem Jahr die Zwischenprüfung abgelegt hat, hinweg. </P><P>Dennoch muss er die schon gelernten Schriftzeichen laufend wiederholen. Um die 3000 beherrsche ein durchschnittlich gebildeter Chinese, berichtet er. Wie viele Schriftzeichen er selbst schon gelernt hat, kann er nicht sagen. Regelmäßig muss er jedenfalls neue Zeichen lernen. Zum Beispiel vor dem Zeitungslektüre-Kurs, der an diesem Vormittag auf dem Stundenplan steht. "Wir bereiten die Artikel zuhause vor und übersetzen sie im Kurs", erklärt der Student. </P><P>Er kommt dabei mit unterschiedlichsten Themen in Berührung: Von der atomaren Abrüstung Nordkoreas über Umweltprobleme bis hin zur chinesischen Bildungspolitik. Auch sich verbal auf Chinesisch auszudrücken, übt er regelmäßig, unter anderem in einem Konversationskurs. Über ein selbst gewähltes Thema müssen die Studenten auf Chinesisch ein Referat halten. Mosers Thema war chinesische Rockmusik. Dass das Sprechen auf diese Weise trainiert wird, schätzt er: "So lernen wir verschiedene Ansätze kennen, die Sprache anzuwenden." Nach dem Zeitungslektüre- Kurs jedoch ist für Moser zunächst Schweigen angesagt. Als Bibliotheksaufsicht wacht er still über den kleinen Lesesaal. </P><P>Kein Job, bei dem ein Hochschüler reich wird. "Mir bleibt dabei aber immer wieder Zeit zum Lernen", sagt er. "Praktisch ist, dass man hier alle Bücher gleich zur Hand hat." Nach den ruhigen Bibliotheks-Stunden muss er am Abend zur Fachschaftskonferenz. Denn er engagiert sich als Studentenvertreter. "Vier bis fünf Mal jedes Semester veranstalten wir Kinoabende mit chinesischen Filmen. Kürzlich gab es auch einen Abend mit dem Brettspiel Mahjong", erzählt er. </P><P>Nach den Ferien wird die Fachschaft jedoch auf seine Arbeitskraft verzichten müssen: Ende August bricht Moser nach China auf, um ein Jahr lang an der Universität Peking zu studieren. "Die meisten machen während ihres Studiums einen Auslandsaufenthalt. Dort ist man einfach in einem besseren Umfeld, um die Sprache zu lernen."</P>

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