"Rückenschmerzen sind oft Stress-Zeichen"

- Hexenschuss, Ischiasschmerzen, Bandscheibenvorfall: Rückenbeschwerden haben viele Namen. Und sie werden immer häufiger. Dass viele Berufe heute im Sitzen ausgeübt werden, ist nur eine der Ursachen. Wir sprachen mit Dr. Antje-Katrin Kühnemann, bekannt aus der Sendung "Die Sprechstunde".

Was sind die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen?

Dr. Antje-Katrin Kühnemann: Die kennen wir nicht. Bei 85 Prozent aller Rückenschmerzen kann man nicht sagen, woran es genau liegt.

Und bei den restlichen 15 Prozent?

Dr. Kühnemann: Da sind fünf Prozent Bandscheibenvorfälle oder auch Vorwölbungen und alles andere, was mit der Bandscheibe zusammenhängt. Außerdem gibt es Engstellen im Wirbelkanal, die so genannten Wirbelkanalstenosen. Es gibt natürlich auch eine Menge anderer Ursachen, die mit den Wirbelgelenken zu tun haben. Zu den greifbaren Ursachen zählen zudem unterschiedliche Beinlängen und falsche Belastungen, Osteoporose, einige rheumatische Erkrankungen und anderes mehr.

Warum kann man beim Großteil nicht genau sagen, woher die Schmerzen kommen?

Dr. Kühnemann: Es sind in der Hauptsache Verspannungen. Es können auch nicht nachweisbare Fehlstellungen, gerade im Bereich der kleinen Wirbelgelenke, sein, die Schmerzimpulse abfeuern. Ganz besonders wichtig ist auch die seelische Belastung. Wir sagen nicht umsonst: Jemand hat ein schwaches Kreuz oder man bekommt Nackenschläge. Rückenschmerzen kommen durch großen Druck und Anspannungen. Sie sind Stresszeichen. So stellen sich beispielsweise bei einem Hund die Nackenhaare hoch und der Mensch verspannt sich.

Warum leiden so viele Menschen unter Rückenschmerzen, obwohl weniger körperlich arbeiten?

Dr. Kühnemann: Das ist zurückzuführen auf Fehlbelastungen und vor allem mangelnde Bewegung. Körperliche Schwerarbeit führt zu einem Verschleiß an der Wirbelsäule. So haben auch Fußballspieler oft ganz schlimme Wirbelsäulen. Allerdings bringen Fehlstellungen noch mehr Verschleiß. Der beste Verband, den wir haben, ist die eigene Muskulatur. Ist sie trainiert, sind Gelenke und Wirbelsäule entlastet.

Wie kann man vorbeugen?

Dr. Kühnemann: Vorbeugung heißt: In Aktion bleiben. Das Allerwichtigste ist regelmäßige Bewegung. Ich meine damit keinen Leistungssport. Es sind die vielen Bewegungen des Alltags, die immer mehr Menschen vernachlässigen. Es wäre ideal, wenn man sich noch zusätzlich bewegt. Wenn wir zum Beispiel alle tanzen würden, dann hätten wir mehr Spaß und weniger Probleme mit dem Nacken. Eine tolle Alternative ist auch das Nordic Walking, bei dem die Gelenke durch den Einsatz der Stöcke entlastet werden. Jeder muss rausfinden, was für ihn ideal ist. Allerdings sollten viele Muskeln trainiert werden. Nicht nur der Rücken, auch die Bauchmuskulatur.

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