Rückkehr der Wölfe in Deutschlands Wälder?

- Güstrow - Gesa Kluth ist im Wald nur einmal einem Wolf begegnet. Mensch und Tier erschraken gleichermaßen und traten beide unverzüglich den Rückzug an. "Ich hatte eigentlich nur Sorge, dass ich die Wölfe störe, denn sie hatten gerade Welpen bekommen", beschreibt die 33-jährige Biologin das überraschende Treffen in der Muskauer Heide in der sächsischen Oberlausitz. "Der Wolf ist am Menschen nicht interessiert", sagt sie. Gut zu wissen, denn die Chancen für eine Rückkehr des Wolfes in Deutschlands Wälder stehen nicht schlecht.

<P>Forst- und Naturschutzexperten befassen sich an diesem Donnerstag in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) in einem Fachseminar mit den Folgen einer verstärkten Einwanderung des "Canis lupus".</P><P>Seit 2000 lebt das aus Polen eingewanderte Wolfspaar in der Muskauer Heide. Zum Rudel gehören heute noch drei Jungwölfe und fünf im Mai geborene Welpen. "Seit diesem Jahr gibt es ein zweites Rudel etwa 30 Kilometer westlich der Muskauer Heide", sagt Gesa Kluth, die im Wildbiologischen Büro LUPUS im sächsischen Neustadt/Spreetal forscht. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Tiere in Deutschland ausgerottet worden.</P><P>Kluth und ihre Kollegin Ilka Reinhardt gehen davon aus, dass weitere Einzeltiere auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind. Immer wieder gebe es Sichtungen. "Wölfe wandern weit, gerne und viel", sagt Gesa Kluth. Jenseits aller Mystik um Wölfe sieht die Biologin in ihnen einen ökologischen Gegenspieler zu den starken Hirsch-, Reh- und Wildschweinpopulationen. Viele Jäger und auch Jagdverpächter sehen in "Isegrim" allerdings einen unliebsamen Konkurrenten.</P><P>Beim Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern sieht man eine mögliche Rückkehr gelassen: "Es gäbe keine Nahrungskonkurrenz, wenn sich ein oder zwei Wolfsrudel hier niederließen", sagt Geschäftsführer Rüdiger Brandt. Wild für die Jäger gibt es reichlich. Im Jagdjahr 2001/2002 wurden im Nordosten beim Schalenwild - unter anderem Rehe, Wildschweine und Hirsche - 131 685 Tiere getötet, über 90 Prozent davon von den Jägern. Rund 10 000 Tiere starben bei Verkehrsunfällen oder an anderen Ursachen. Ein jagendes Wolfsrudel würde da nicht sonderlich ins Gewicht fallen, ist man beim Verband überzeugt.</P><P>"Wir haben nichts gegen eine natürliche Zuwanderung von Wölfen, lehnen aber eine Auswilderung strikt ab", sagt Brandt. Nur bei einer Zuwanderung hätten potenzielle Beutetiere genügend Zeit, ihr Fluchtverhalten auf ein neu hinzugekommenes Raubtier einzustellen. Zeit und Geduld müssen die Mitarbeiter des LUPUS-Büros auch für Aufklärungsarbeit mitbringen, denn Gesa Kluth trifft oft auf Vorurteile und irrationale Ängste. "Viele Landwirte lassen sich immer wieder die Wiesen von Wildschweinen umpflügen. Aber den Wolf wollen sie nicht."</P><P>Dafür gibt es auch begründete Sorgen. Vor 18 Monaten rissen die sächsischen Jungwölfe bei Mühlrose 33 Schafe. "Wir dürfen es den Wölfen nicht leicht machen, an Schafe heranzukommen", sagt Gesa Kluth. Darum sprechen die Biologinnen mit den Schäfern, um sie über aktuelle Wanderungsgebiete der Wölfe oder über Schutzmaßnahmen wie starke Elektrozäune zu informieren. Der Wolfsübergriff vom Mai vergangenen Jahres war bislang der einzige seiner Art.</P><P> </P>

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