Rückwirkende Spontanstreichung

- Wenn es für den Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands, Jürgen Vocke, ganz dumm läuft, dann ist der CSU-Landtagsabgeordnete schon zum Sommersemester 2004 seinen Nebenjob los. Vocke ist Lehrbeauftragter an der Fachhochschule (FH) München - im Fachbereich Betriebwirtschaft (BWL) hält er Vorlesungen zum Steuerrecht. Doch BWL-Dekan Klaus Wollenberg zürnt: Der strikte Sparkurs, den die Fraktion abgenickt hat, zwingt die FH zu einem rigorosen Sparprogramm. Da könnte es schon sein, sagt Wollenberg, dass der Lehrbeauftragte Vocke auf der Streichliste landet.

Im Zuge des Sparprogramms hat das Wissenschaftsministerium verfügt, dass die Finanzmittel für die Lehrbeauftragten rigoros gekürzt wurden, und zwar rückwirkend. Dekan Wollenberg ging für seinen Fachbereich ursprünglich von 141 000 Euro aus, die er für Winter- und Sommersemester zur Verfügung hat. Im Januar, die Gelder des WS 2003/4 waren natürlich schon verplant, erhielt der Ökonom plötzlich die Nachricht über eine Spontanstreichung: Statt 141 000 Euro sollten es nur noch 90 000 Euro sein, zudem sollte Wollenberg auch noch die Mittel für die studentischen Hilfskräfte aus diesem Etat aufbringen. "Ein Unding", schimpft der FH-Professor, dessen Fachbereich das Sommersemester aufgrund zusätzlicher Finanzlücken aus früheren Semestern nur noch mit 8000 Euro hätte bestreiten müssen. Inzwischen wurde erreicht, dass die Mittelkürzung nicht ganz so hart ausfällt, so dass es aktuell 27 000 Euro sind.<BR><BR>27 000 Euro statt der eigentlich eingeplanten 70 500. Dass die BWLer bei den Lehrbeauftragten stark sparen werden, ist unumgänglich. Nur noch 50 statt wie sonst 120 Lehrbeauftragte werden einen Auftrag bekommen, sagt Wollenberg. Für die 4500 Studenten des Fachbereichs 10 bedeutet dies: um zwei Drittel weniger Veranstaltungen. <BR><BR>"Die Struktur der FH wird sich komplett ändern", prophezeit Wollenberg. Statt Seminaren würden "Massenvorlesungen" an der FH Einzug halten. Für die an persönliche Kontakte zum Professor gewohnten FH-Studenten scheint der Schock programmiert zu sein. "Es kann sogar dazu führen, dass es einige Abschlussprüfungen nicht geben wird, weil Veranstaltungen ausfallen müssen", warnt Wollenberg.<BR><BR>Und ein Problem bleibt: die Raumfrage. Die FH besitzt nur eine Aula für maximal 450 Personen. Die meisten Räume haben nur Klassenzimmergröße. Der FH-Sicherheitsbeauftragte hat angekündigt, er werde strikt auf das Freihalten von Fluchtwegen achten. <BR>

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