Rückzug aus der Geo-Forschung

- Die Geowissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) laufen Sturm. Im Zukunftskonzept der Uni, mit dem die Sparpläne der Staatsregierung umgesetzt werden sollen, stehen die Geowissenschaften und vor allem die studentenstarke Geographie mit der Lehramtsausbildung auf der Liste der geplanten "Rückzugsfelder". Jetzt befürchten Studenten und Professoren eine Demontage ihres Fachs.

<P>"Wir müssen uns mittelfristig von einigen der Geo-Fachbereiche trennen", erklärte LMU-Rektor Professor Bernd Huber auf Anfrage unserer Zeitung. Die LMU-Hochschulleitung plant in der Geographie die Lehramtsausbildung und den sozialgeographischen Zweig einzustellen. "Jeder Lehramts- und Sozialgeographie-Student wird aber sein Studium in München fertig absolvieren können", sagt Huber.</P><P> "An anderen bayerischen Universitäten, zum Beispiel in Würzburg, wird man dieses Lehrangebot aber aufrechterhalten."<BR>Zudem sieht das LMU-Konzept vor, dass die geowissenschaftlichen Diplomstudiengänge in Bachelor- und Master-Studiengänge umstrukturiert werden. Nach dem für alle Studenten geplanten einheitlichen geowissenschaftlichen Bachelor-Abschluss sollen sich die Studenten dann entscheiden, welche Fachrichtung sie als Master weiter studieren wollen, ob Geographie, Mineralogie oder Geophysik.'<BR><BR>Einsparung wegen freier Professorenstellen<BR> <BR>Für die LMU-Geographen macht das keinen Sinn. "Das Geographische Institut ist mit 1400 Studenten, davon etwa 600 Lehramtler, das größte in der Fakultät. Die Lehrinhalte im Vergleich zu Geophysik oder Mineralogie sind völlig verschieden", sagt Geographie-Professor Otfried Baume, der Prodekan der Fakultät. Baume schlägt deshalb der Hochschulleitung einen eigenen Bachelor-Studiengang "Geographie" vor.<BR><BR>Trotz der guten Evaluierung, die den Geowissenschaften in München vor zwei Jahren noch den Rücken gestärkt hatte, vermuten die Geowissenschaftler den eigentlichen Grund des Rückzuges in den vielen frei werdenden Professoren-Stellen an ihrer Fakultät. "Im Konzept der LMU sollen 30 Prozent der Professoren-Stellen bis zum Jahr 2008 an der Geowissenschaftlichen Fakultät eingespart werden - alles Stellen, deren Professoren emeritiert werden", erklärt Baume. "Die Geographie würde bei der Streichung ihrer fünf frei werdenden Stellen und dem drohenden Wegfall der Sozialgeographie an den Rand ihrer Existenz gedrängt und nicht mehr konkurrenzfähig sein", befürchtet Baume. "Wenn die LMU das Lehramt Geographie einstellt, würde dies einen der erfolgreichsten Studiengänge an der Uni treffen", sagt der Prodekan. "In ganz Oberbayern wäre kein vergleichbares Studium möglich."<BR><BR>Auch Thilo Hapke von der Fachschaft Geographie versteht die LMU-Hochschulpolitik nicht. "Die Münchner Geographen sind in der Wirtschaft gefragte Leute. Hoch qualifizierte Absolventen sind doch das, was die Universitäten und die Staatsregierung haben wollen."<BR><BR>Für Bernd Huber stehen schwere Entscheidungen an. "Da viele Studiengänge an der LMU sehr gut evaluiert wurden, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als unangenehme Entscheidungen zu treffen, trotz einer guten Lehre in der betroffenen Fachrichtung", sagt der LMU-Rektor.<BR><BR>Noch ist das Strukturkonzept nicht beschlossen. Das Ministerium muss noch zustimmen. Hoffnung macht den Geographen ein Bericht des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur des Bayerischen Landtages aus dem Jahr 2002. Hier sprechen sich die Experten für eine Stärkung der Geowissenschaften und des Geographischen Instituts aus, das "das Potential hat, in Europa zur Spitzengruppe zu gehören".<BR></P>

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