Sanftes Sterben ist möglich

- Krebs, Alzheimer oder ein tiefes Koma nach einem Unfall; das sind Situationen, die jeden von uns plötzlich treffen können. Unweigerlich stellt sich die Frage nach einer guten Versorgung, wenn man hilflos oder sterbenskrank ist und die eigenen Wünsche nicht mehr vermitteln kann. Dieser Sorge kann man begegnen, indem man selber aktiv wird und eine "Patientenverfügung" schreibt. Offiziell wird sie Vorausverfügung genannt. In ihr stehen genaue Anweisungen, die dem Arzt bei tatsächlicher Hilflosigkeit vorgeben, welche Behandlung gestattet und welche begrenzt oder verboten ist. "Dabei muss der Verfasser seine Motivation deutlich machen, indem er konkrete Fälle benennt und Floskeln vermeidet", betont Kristjan Diehl von der Deutschen Hospiz-Stiftung München.

<P>Der Text der Verfügung muss praxistauglich sein. Das heißt, er muss aussagekräftig, individuell und rechtsverbindlich formuliert sein, damit er den Arzt vom Willen des Verfassers überzeugt. "So kann man zum Beispiel eine dauerhafte künstliche Ernährung per Magensonde bei schwerster Erkrankung ablehnen, aber die vorübergehende künstliche Ernährung nach Operationen erlauben", erklärt Diehl.<BR><BR>Auch schwammige Formulierungen und voreilige Festlegungen und Verzichtserklärungen sollte der Verfasser vermeiden. Die Formulierung "Ich will nicht an Schläuchen hängen" ist nicht konkret genug, da auch starke Schmerzmittel als Infusion über einen "Schlauch" verabreicht werden. <BR><BR> Hilfe beim Verfassen der Vorausverfügung bietet die Deutsche Hospiz-Stiftung. Dabei werden Fachleute wie der behandelnde Arzt und vertraute Personen wie Familienmitglieder, Freunde und Seelsorger einbezogen.<BR><BR>Die Stiftung überprüft den formalen Charakter der handgeschriebenen Verfügung und reicht diese als Willenserklärung an das entsprechende Bundeszentralregister weiter. Dieses erinnert den Verfasser jährlich an eine Aktualisierung der Vorausverfügung. "Darauf sollte man achten, damit die Verfügung auf dem neuesten Stand der medizinischen Möglichkeiten ist und an veränderte Lebensumstände angepasst werden kann", betont Diehl.<BR><BR>Die Vorausverfügung sollte immer einen Passus enthalten, der "Palliativ-Care" einfordert. Der Fachbegriff leitet sich vom lateinischen "pallium" (der Mantel) ab und steht für eine umfassende, ganzheitliche Behandlung, Pflege und Begleitung bei unheilbarer Krankheit. Das beinhaltet Schmerzfreiheit, psychologische und soziale Begleitung mit Seelsorge sowie andere Qualitätsmerkmale, die schwerstkranken Menschen ein sanftes Sterben ermöglichen.<BR><BR> Neben der Vorausverfügung sollte auch eine Vorsorgevollmacht verfasst werden. Diese benennt "Patientenanwälte", die dann auch die Aufgabe haben, für die Ausführung und Einhaltung der "Patientenverfügung" zu sorgen. Ein "Patientenanwalt" muss kein ausgebildeter Jurist sein, sollte sich im Ernstfall aber gegen Ärzte und Pflegepersonal durchsetzen können. Er vertritt den Willen des Verfassers.<BR><BR>Vorausverfügung und Vorsorgevollmacht verhindern die Bestellung eines gesetzlichen Betreuers (ehemaliger Vormund) in Gesundheitsfragen.<BR></P><P>Infos und Beratung im Informationsbüro der Deutschen Hospiz-Stiftung: 089/20 20 810.</P><P> </P><P> </P>

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