SARS-Verbreitung durch Kakerlaken?

- Hongkong/Pretoria/Genf - Die gefährliche Lungenkrankheit SARS könnte nach einer neuen Theorie auch durch Kakerlaken übertragen werden. Möglicherweise hätten Küchenschaben in einem Wohnblock in Hongkong infizierte Abfälle von Appartement zu Appartement getragen und so das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) verbreitet, sagte Vize-Gesundheitsdirektor Leung Pak-yin am Dienstag im Rundfunk.

<P>Unterdessen ist möglicherweise ein erster Mensch in Afrika an SARS erkrankt. Ein 62-jähriger Südafrikaner wurde in der Hauptstadt Pretoria nach einer Hongkong-Reise wegen Verdacht auf die Lungenerkrankung unter Quarantäne gestellt. Bei einem positiven Befund würde es sich um den ersten bekannten SARS-Fall in Afrika handeln. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bis zum Montagabend weltweit 2601 SARS-Fälle und 98 Tote registriert.</P><P>Die Behörden von Hongkong begannen in dem Wohnblock der Anlage Amoy Gardens am Dienstag mit der Desinfizierung, damit die Bewohner zurückkehren können. Sie hatten ihre Wohnungen verlassen und in ein Quarantäne-Camp ziehen müssen, nachdem sich die SARS-Fälle in der Anlage häuften. Insgesamt hatten sich dort mehr als 250 Menschen mit der Lungenkrankheit angesteckt. Nach WHO-Angaben gibt es auch Berichte, dass sich die Krankheit über Toiletten oder Abwasser verbreitet haben könnte.</P><P>In der südchinesischen Wirtschaftsmetropole starben zwei weitere Menschen an SARS, womit die Zahl der Toten dort auf 25 stieg. Für WHO-Sprecher Ian Simpson zeichnete sich in Hongkong aber eine leichte Entspannung ab. "Der Ausbruch scheint unter Kontrolle zu kommen", sagte Simpson in Genf.</P><P>Weltweit wurden weitere SARS-Verdachtsfälle bekannt. In Aachen kam eine 30-jährige Asienreisende mit Verdacht auf die Lungeninfektion ins Klinikum. Der 72-jährige deutsche SARS-Patient aus Hattingen im Ruhrgebiet kann dagegen das Krankenhaus voraussichtlich in dieser Woche verlassen. Auch in Indien, Kambodscha und Spanien gab es SARS- Verdachtsfälle. Ein Verdacht in Portugal bestätigte sich dagegen nicht.</P><P>Ein SARS-Expertenteam der WHO hat am Dienstag seine Untersuchungen über die Ursprünge der Lungenkrankheit in Südchina abgeschlossen. Erste Erkenntnisse und Empfehlungen sollten am Mittwoch den Gesundheitsbehörden in Peking vorgelegt werden, sagte der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, der zu dem WHO-Team gehört. Es wird erwartet, dass China aufgerufen wird, verstärkt mit internationalen Behörden zusammenzuarbeiten.</P><P>Nach Preisers Worten vom Sonntag konzentrierten sich die Untersuchungen in Südchina auf das neue Virus der Familie der Coronaviren und als weitere Faktoren auf Chlamydien genannte Mikroorganismen und Paramyxoviren. In den bisherigen Untersuchungen sei nichts gefunden worden, "was gegen die ursächliche Rolle des Coronavirus spricht", sagte der Fachmann.</P><P>Mediziner aus Hongkong haben inzwischen neue Hinweise darauf, dass Coronaviren die Hauptursache der Lungenerkrankung sind. Bei 45 von 50 für eine Studie untersuchten SARS-Patienten seien Hinweise auf Coronaviren gefunden worden, schreiben die Forscher in der Online- Ausgabe des britischen Fachjournals "Lancet". Bei gesunden Menschen einer Vergleichsgruppe wurden keine derartigen Viren nachgewiesen.</P><P>In Südostasien wurde der Kampf gegen SARS weiter verschärft. Die thailändische Fluggesellschaft Thai Airways sonderte 31 Maschinen aus, die künftig ausschließlich SARS-Gebiete ansteuern, wie die Zeitung "Bangkok Post" berichtete. Im Hafen von Singapur sollen künftig alle ankommenden Seeleute auf SARS-Symptome untersucht werden. Der Stadtstaat stellte zudem ein komplettes Altersheim unter Quarantäne, nachdem bei einer Krankenschwester eine Infektion festgestellt worden war.</P><P>Singapurs Regierungschef Goh Chok Tong warnte vor wirtschaftlichen Einbußen durch die gefährliche Lungenkrankheit. In Südostasien seien die Passagierzahlen im Luftverkehr zurückgegangen und die Tourismusindustrie habe zu leiden, sagte der Regierungschef bei einem Besuch in Indiens Hauptstadt Neu Delhi.</P><P>Insgesamt sieht die WHO noch keinen Grund, ihre Empfehlung zurückzunehmen, nicht nach Hongkong und in die chinesische Provinz Guangdong zu reisen. "Wir beraten die Sachlage jeden Tag, aber bisher gibt es keine Änderung", sagte Simpson.</P>

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