Schädlingswelle aus dem Netz

- München - Es ist eine Szene wie im Kino: FBI-Beamte stürmen ein Haus in einem Vorort von Minneapolis (US-Staat Minnesota). Sie sind auf der Suche nach dem Urheber des gefährlichen Computervirus "Lovesan" (auch "Blaster" genannt). Doch statt eines Schwerverbrechers verhaften die Polizisten einen Jugendlichen: Jeffrey Lee Person, 18 Jahre alt und schwergewichtig. Die Nachbarn bezeichnen ihn als Einzelgänger und Computer-Genie.

<P>Hunderttausende von Computern auf der ganzen Welt fielen Jeffreys cleverem Virus zum Opfer. Dabei hatte der 18-Jährige nur einen bereits existierenden "Erreger" verschärft. Seine Variante des so genannten "Blaster"-Virus war vor allem darauf angelegt, der Firma Microsoft zu schaden. Dazu sollten die Rechner des Software-Riesen mit einer Flut von Anfragen konfrontiert und schließlich in die Knie gezwungen werden. Doch das Unternehmen nahm das Hauptziel der Attacke, die Internet-Seite www.windowsupdate.com, rechtzeitig vom Netz. Der Angriff verpuffte weitgehend wirkungslos.</P><P>"Blaster", "Welchia", "Sorbig.F" - allein in den letzten zwei Wochen haben drei Viren den weltweiten Datenverkehr kräftig behindert. "Die derzeitige Häufung ist außergewöhnlich", bestätigt Olaf Lindner vom Antiviren-Softwarehersteller Symantec. Vor allem die explosionsartige Verbreitung habe selbst Experten erstaunt. Innerhalb weniger Stunden hatte "Sorbig.F" jede siebzehnte Mail befallen - ein neuer Weltrekord.</P><P>Doch Virenprogrammierer haben es meist nicht schwer. Einerseits offenbaren Betriebssysteme wie Microsoft Windows regelmäßig Sicherheitslücken. Andererseits versäumen es Anwender, sich rechtzeitig zu schützen (siehe Kasten). Oder die Nutzer sind zu gutgläubig - wie im Fall "Sorbig.F": Um den Virus zu aktivieren, musste der Anwender den Anhang der Mail öffnen. Spätestens seit der Virus "I love you" - benannt nach der gleich lautenden Betreffzeile - mit diesem Trick gewaltigen Schaden anrichtete, hätten die Nutzer gewarnt sein müssen.+</P><P>Mit wesentlich fieseren Methoden arbeiten dagegen "Blaster" und Lovesan". Sie kamen nicht per Mail ins Haus, sondern nutzten während einer Internetverbindung einen freien Kanal des Rechners, einen so genannten Port. "Ein Virenscanner allein hätte nicht geholfen", sagt Lindner. Solche Angriffe ließen sich nur mit einer Art Schutzmauer ("Firewall") abwehren.</P><P>Obwohl es gegen alle drei Viren ein "Anti-Serum" gibt, geht das Katz- und Maus-Spiel zwischen Virenprogrammierern und den Sicherheitsfirmen unvermindert weiter. "Bis zu 30 neue Schädlinge registrieren wir täglich", sagt Isabell Unseld vom Anti-Viren-Softwarehersteller McAfee in Unterschleißheim bei München. Um auf jede neue Bedrohung möglichst rasch reagieren zu können, betreibt McAfee rund um den Globus Viren-Labore, die den weltweiten Datenverkehr permanent analysieren. "Wenn unser Mitarbeiter in Singapur ins Bett geht, übernimmt der Kollege in Hamburg", sagt Unseld. So konnte die Reaktionszeit deutlich verkürzt werden. Maximal 24 Stunden dauert es, bis ein Gegenmittel gefunden ist.</P><P>Während die Urheber des ursprünglichen "Blaster"-Virus noch auf freien Fuß sind, muss sich "Lovesan"-Erfinder Person auf Anordnung eines Gerichts von allen Computern fern halten. Weitere Attacken aus dem Internet wird dies nicht verhindern: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Angriffswelle kommt", sagt Unseld.<BR></P>

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