Schavan will keine EU-Gelder für Stammzellenforschung

- Brüssel - Deutschland will die Vergabe von EU-Forschungsmitteln für Projekte mit menschlichen embryonalen Stammzellen verhindern. Die für Forschung zuständigen EU-Minister kamen am Montag in Brüssel zusammen, um diese ethische Frage vor Verabschiedung des milliardenschweren EU-Forschungsprogrammes für 2007 bis 2013 zu entscheiden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte sich vor der Sitzung zurückhaltend auf die Frage, ob sie ausreichend Unterstützung anderer EU-Staaten für ihren Kurs bekommen werde. Diplomaten sagten, auf der Seite Deutschlands seien Luxemburg, Polen, Litauen, Malta und Österreich. Die Position Italiens sei seit dem Regierungswechsel unklar. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte ebenfalls auf der deutschen Linie gelegen. Die Regierung von Romano Prodi will möglicherweise den Kurs ändern.

Die Gegner begründen ihre Haltung damit, dass sie indirekt über ihren Beitrag in die EU-Kassen Forschung finanzieren, die sie auf nationaler Ebene verboten haben. Insgesamt sieht das 7. Forschungsrahmenprogramm von 2007 bis 2013 Ausgaben von etwa 50,5 Milliarden Euro vor. Der Betrag ist innerhalb der EU unstrittig.

Die Gewinnung und Erforschung embryonaler Stammzellen des Menschen ist in der Bundesrepublik grundsätzlich verboten, Das Stammzellgesetz, das 2002 vom Bundestag verabschiedet wurde, erlaubt Ausnahmen für den Import und die Verwendung Stammzellen in begründeten Fällen. Dennoch dürfen deutsche Forscher nur Stammzellen, die im Ausland vor dem 1. Januar 2002 durch künstliche Befruchtung gewonnen wurden, nutzen. Damit stehen ihnen neuere, möglicherweise besser geeignete Stammzelllinien nicht zur Verfügung. Forscher und Politiker fordern deshalb eine Änderung dieser Stichtagsregelung.

Der renommierte britische Wissenschaftler Stephen Hawking hat "reaktionäre" Kräfte in Europa und den USA scharf für Bemühungen kritisiert, die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu unterbinden. "Europa sollte nicht dem reaktionären Beispiel von Präsident Bush folgen", schrieb der Astrophysiker in einer am Montag von der Zeitung "The Independent" veröffentlichten Erklärung.

"Die Stammzellenforschung ist der Schlüssel zur Entwicklung von Heilmethoden für Leiden wie die Parkinson-Krankheit oder die Amyotrophe Lateralsklerose, von der ich und viele andere betroffen sind", schrieb der 64-Jährige. Er wende sich deshalb entschieden gegen alle Bemühungen, finanzielle Unterstützung der EU für die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu unterbinden.

Hawkings Appell wurde im Vorfeld eines Treffens des EU-Ministerrates veröffentlicht, bei dem sich unter anderem Deutschland und Polen dafür stark machen wollten, dass künftig keine Mittel der Union für die Forschung mit embryonalen Stammzellen bereitgestellt werden.

Bei Hawking, der seit 1979 Inhaber des Mathematik-Lehrstuhls an der Universität Cambridge ist, den einst Sir Isaac Newton innehatte, war 1963 Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert worden. Seit 1968 ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. 1985 verlor er die Fähigkeit zu sprechen. Er kommuniziert mit Hilfe eines Sprachcomputers.

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