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Schichtarbeit für Labormäuse

- Eine Werkssirene wird die Mäuse nicht aufschrecken. Doch ansonsten wird es ihnen ergehen wie jedem fünften Menschen in Deutschland: Nach je drei Tagen wird der Zeitpunkt, zu dem das Licht angeht, um acht Stunden verschoben. Auch zu essen gibt es dann entsprechend später. "Wir untersuchen zum ersten Mal am Tiermodell die Auswirkungen von Schichtarbeit", sagt der Chronobiologe Professor Till Roenneberg von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Roenneberg koordiniert das europäische Forschungsnetzwerk Euclock, das gerade seine Arbeit aufgenommen hat. 34 Chronobiologen aus elf Ländern sind daran beteiligt, außerdem mehrere Firmen. 16 Millionen Euro stehen den Wissenschaftlern für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung.

Untersuchen will Euclock vor allem die Entrainment genannte Abstimmung zwischen der inneren Uhr und dem durch die Erddrehung vorgegebenen 24-Stunden-Tag. Roenneberg und seine Kollegen wollen beispielsweise wissen, welche Gene daran beteiligt sind oder über welchen Mechanismus Licht die innere Uhr beeinflusst.

Erhält ein Organismus keine Zeit-Information von außen, bestimmt allein die innere Uhr seinen Rhythmus. Anschaulich belegt Roenneberg das in seinem Labor. In fingerdicken Röhrchen lässt er Pilzsporen in eine Richtung wachsen. In regelmäßigen Abständen von etwa 24 Stunden wird der orangefarbene Sporen-Flaum dichter - obwohl der Pilz bei konstanter Temperatur in der Dunkelheit gewachsen ist.

Ein solcher Rhythmus beeinflusst auch den menschlichen Stoffwechsel. Dabei tickt die innere Uhr genetisch bedingt bei jedem unterschiedlich schnell und verändert sich je nach Lebensalter. Der Grund, warum das Schlafbedürfnis von Mensch zu Mensch variiert, wie Roenneberg erklärt. Auch ob jemand Frühaufsteher ist oder erst gegen Mittag auf die Beine kommt, hängt von der inneren Uhr und ihrem Zusammenspiel mit dem Tagesrhythmus ab.

Menschen ticken unterschiedlich schnell

Die Euclock-Forscher haben noch einen weiteren Einfluss im Blick: soziale Zeiten wie die Arbeitszeit. Anzunehmen sei, dass Arbeit gegen die innere Uhr auf Dauer schade, sagt der Chronobiologe. "Womöglich kommt man einer gesundheitsverträglichen Schichtarbeit näher, wenn junge Leute Nachtschicht machen." Sie seien wegen ihrer inneren Uhr eher Nachteulen. Älteren mache dagegen frühes Aufstehen kaum etwas aus.

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