Wie Schiffchen versenken

- Der Patient ist morgens nüchtern in die Urologische Ambulanz des Krankenhauses gekommen. Der Eingriff, auf den er wartet, heißt "LDR-Brachytherapie". Dahinter verbirgt sich eine Bestrahlung mit winzigen radioaktiven Implantaten, die in die Prostata versenkt werden.

<P>Der Patient (Ende 60) hat Prostatakrebs. Noch ist der Tumor in einem recht frühen Stadium, das sich für die neue Form der direkten Bestrahlung in der Prostata eignet. Darum wurde er ins ambulante Therapieprogramm im Münchner Klinikum Bogenhausen aufgenommen.</P><P>Nach Vorbereitung durch den Anästhesisten liegt der Patient nun unter Vollnarkose auf dem Behandlungsstuhl, die Beine rechts und links hochgestützt. Das Behandlungsteam - der Urologe Michael Feigl, der Strahlentherapeut Albrecht Glück und der Medizinphysiker Christian Drexler - beobachtet den Ultraschallmonitor und den daneben stehenden Laptop. Auf diesem ist der komplette Bestrahlungsplan zu sehen. </P><P>Nach dem Plan werden die leicht radioaktiven Mini-Implantate oder Seeds (Strahlendosis: 0,5 Millicurie) über eine lange Hohlnadel durch den Damm in die Prostata geschickt. "Das ist wie Schiffchen versenken", scherzt der Urologe. Doch beschreibt er die Situation durchaus treffend, schließlich muss er die reiskornwinzigen Implantate genau nach vorberechneter Position platzieren. Die Ultraschallsonde (mit doppeltem Kopf, der geometrische Verzerrungen verhindert) zeigt auf dem Monitor die ersten versenkten Implantate an. Am Computer wird die Abdeckung der therapeutischen Dosis neu berechnet. Schonung des Harnleiters ist das Ziel, schließlich soll der Patient später noch Wasser lassen können. </P><P>Der Strahlentherapeut markiert die Treffer auf einem Papierplan. "Zur Sicherheit", sagt er. Nun werden mehr und mehr Seeds nach dem Muster der Bestrahlungsplanung unter ständiger Online-Kontrolle und Ultraschallsicht implantiert. </P><P>Der Urologe tut es mit leicht zitternder Hand: "Das Zittern ist nötig, um den Sogeffekt durch die Hohlnadel zu bremsen", betont er. Je nach Prostatagröße müssen 60 bis 70 Mini-Implantate in der Vorsteherdrüse des Patienten versenkt werden. OP-Schwester Karin Hübler reicht dem Arzt das nächste Magazin fürs "Schiffchen versenken". 22 Nadeln mit 64 Seeds reicht sie ihm insgesamt.</P><P>Dann ist die Prozedur geschafft. Aus dem Darm des Patienten tröpfelt ein bisschen Blut. Kein Grund zur Sorge. Die Mini-Implantat-Positionen werden nun noch im Röntgen-Bild kontrolliert, "wir wollen sehen, ob nicht etwa ein Seed irgendwo in der Harnröhre statt in der Prostata gelandet ist", sagt der Strahlentherapeut. Doch alle Seeds sitzen. Die Narkose wird beendet.</P><P>Zwei Stunden wird der Patient noch im Aufwachraum überwacht, dann darf er nach Hause. 12 Monate wird seine Prostata von den Implantaten bestrahlt, um das Krebsgewebe zu zerstören. Keineswegs für alle eigne sich die Methode, aber wenn, dann sei sie eine gleichwertige Alternative zu Operation und Bestrahlung von außen, betonen die Münchner Ärzte. <BR>Lexikon aktuell Prostata und Krebs</P><P>Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein Organ im kleinen Becken unterhalb der Harnblase. Sie umgibt ringförmig die Harnröhre. Die Schließmuskeln der Harnblase und die Blutgefäß-Nerven-Bündel zur Steuerung der Erektion befinden sich in ihrer unmittelbaren Nähe. Die Drüse produziert Samenflüssigkeit, die über Kanälchen in die Harnröhre abgegeben wird. Unter den bösartige Geschwülsten ist das Adenokarzinom die häufigste Krebskrankheit der Prostata. Seit einigen Jahren ist dieser Krebs nun der häufigste bösartige Tumor bei Männern in Deutschland.</P><P>Brachytherapie<BR>Spezielle Strahlentherapie. Mit winzigen radioaktiven Implantaten wird das Tumorgewebe aus kurzer Entfernung (brachys = griech. kurz) schonend für die Umgebung bestrahlt.</P><P>Internet:<BR>www.brachytherapie-muenchen.de</P>

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