Schlaganfall: Frauen benachteiligt

- Frauen werden bei und nach einem Schlaganfall schlechter versorgt als Männer. Nach einer Studie der Universität Münster haben Frauen eine um 20 Prozent geringere Chance, zur Behandlung auf eine Spezialstation zu gelangen, das berichtete der Epidemiologe Klaus Berger auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin in Greifswald.

<P>Außerdem sei bei Frauen die Wahrscheinlichkeit, nach der Krankenhausbehandlung in ein Heim eingewiesen zu werden, um 50 Prozent höher.</P><P>Für die Studie wurden in den Jahren 2000 bis 2002 rund 15 000 Patientinnen und Patienten aus Kliniken in Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern befragt.</P><P>Während 64,6 Prozent der befragten Männer auf einer Spezialstation für Schlaganfallpatienten (Stroke Unit) behandelt worden waren, hatten nur 55,9 Prozent der Frauen eine solche für den Erfolg einer Rehabilitation entscheidende Therapie erhalten.<BR>Die Studie ergab zudem, dass Frauen eine um 30 Prozent verminderte Chance haben, rechtzeitig eine Behandlung mit einem geeignetem Medikament zu erhalten, das die Blutgerinnsel auflöst, die eine Arterie verstopfen und so den Hirninfarkt auslösen.</P><P>Die Gabe des Medikaments zur so genannten Lyse ist nur innerhalb von drei Stunden nach dem Schlaganfall sinnvoll. Frauen seien zudem zu 20 Prozent seltener als Männer zur Anschlussbehandlung in eine Rehabilitationseinrichtung gekommen.</P><P>Die Ursachen für die Differenzen sind nach Angaben Bergers alters- und sozialbedingt. Bei berufstätigen Schlaganfallpatienten in jungen und mittleren Jahren gebe es kaum Unterschiede bei der Behandlung von Männern und Frauen, anders bei Senioren. Frauen erleiden mit 76,5 Jahren durchschnittlich rund acht Jahre später einen Schlaganfall als männliche Patienten. </P><P>Männer würden nach dem Hirninfarkt häufig von ihrer Ehepartnerin betreut. Betroffene Frauen lebten dagegen überwiegend allein, so dass eine Heimeinweisung nicht zu umgehen sei. "Die Bereitschaft, bei älteren Männern nach einer Alternative zu suchen, ist offenbar höher", sagte Berger.</P><P>Zudem könne eine "unterschwellige Diskriminierung" und ein "tradiertes Verhalten" in den Krankenhäusern für die schlechtere Versorgung von Frauen eine Rolle spielen. </P><P>"Ältere Frauen, die in den meisten Fällen wegen einer weit geringeren Rente unteren sozialen Schichten zuzuordnen sind, sind offenbar weniger in der Lage, ihre Bedürfnisse einzufordern als Männer."</P><P>Lexikon aktuell: Schlaganfall<BR>Hirninfarkt, Apoplexie: Ein Blutpfropf (vom Herzen oder einer Ader), gelangt in ein Hirngefäß und verstopft es. Das Hirngewebe wird durch Sauerstoffmangel geschädigt. Symptome: Lähmungen, Sprachstörungen und Bewusstlosigkeit. </P><P><BR> </P>

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