Schlauer Kopf klemmt am Einkaufswagen

- Frau Huber stürzt in den Supermarkt. Ihre Einkaufsliste ist lang. Das Wochenende naht. Als erstes eilt sie zum Schalter und holt ihren persönlichen Einkaufsberater ab, den sie flux an ihren Einkaufswagen klemmt. Der kleine Computer hat's in sich: Auf Knopfdruck weiß Frau Huber, wo die Cornflakes stehen. Fährt Frau Huber mit ihrem Scanner über die Packung, erfährt sie neben dem Preis noch viele weitere Informationen über ihre Lieblings-Flocken.

<P>Doch schon schnellt sie zur Obsttheke, wo eine "intelligente Waage" mit integrierter Kamera erkennt, was Frau Huber wiegen möchte und automatisch das entsprechende Preisetikett ausspuckt. Den Infoterminal, an dem sie sich Preisvergleiche abrufen oder Rezepte ausdrucken lassen kann, lässt Frau Huber heute links liegen. Sie geht direkt zur Kasse. Ihr schlauer Freund am Einkaufswagen hat bereits den ganzen Inhalt des Einkaufswagens aufaddiert und die Endsumme per Funk an die Kasse übermittelt. Dort muss die gestresste Frau nicht lange warten, denn Laufbänder, auf die man alle Waren legen muss, gibt es keine mehr.</P><P>Mensch ist zu<BR>kostenintensiv</P><P>Science Fiction? Weit gefehlt: Im neuen "Future Store" der METRO Group im nordrhein-westfälischen Rheinberg setzt man auf Computer und modernste Technologie statt auf freundliche Verkäuferinnen. Das technologische Herzstück des Future Stores ist die Radio Frequency Identification (RFID), eine Technik, die das Lesen spezieller Etiketten auf Produkten und Verpackungen per Funksignal ermöglicht. Die Betreiber des Großmarktes glauben, dass innovative Technologien das Einkaufen für den Kunden attraktiver machen werden. Und die Richtung ist klar: Im Future Store sollen laufend neue Services hinzukommen. </P><P>Logisch, denn der Handel hat selbstredend nicht nur den Kunden im Blick, sondern auch die Kosten: Durch den Einsatz von Hightech wird das Warenmanagement effizienter, und in den Bereichen Logistik und Qualitätssicherung lassen sich Kosten reduzieren. Zudem werden Mitarbeiter eingespart. </P><P>Um Kosteneinsparung geht es auch den Banken, wenn sie mit den "Bankgeschäften rund um die Uhr" werben (S. Bericht links). Das Plus für den Kunden: Wer sich am "Online-Banking" beteiligt, kann Gebühren sparen. Reine Online-Banken locken sogar mit besonders attraktiven Zinsen. Natürlich rechnet sich die Verlagerung ihrer Basisdienste auf Computer und Automaten auch für die Banken: Sie sparen Personal und Kosten ein. Wie gut die Rechnung aufgeht, zeigen die Zahlen, die der Bundesverband Banken herausgibt: Ende 2001 wurden hierzulande bereits 20 Millionen Konten online geführt. </P><P>Dazu kommt ein neues Konzept: Die von Angestellten befreite "SB-Filiale". Darin gibt es keine Schalter und keine Beratung mehr, sondern nur Terminals, an denen man u.a. Geld abheben, Auszüge drucken oder Überweisungen tätigen kann. </P><P>Wie gerade ältere Kunden auf die Technisierung des Alltags reagieren, und wie sie damit zurecht kommen - darüber gibt es keine Informationen. Doch sie werden in der neuen Dienstleistungsära bald kaum eine Wahl haben. Oder der Trend kehrt sich um, wie es in den USA teils festzustellen ist: Dort haben einige Banken wieder mehr Schalter geöffnet und das Online-Banking zurückgefahren, weil ein beratungsresistenter Teil der Kunden offensichtlich nicht teilhaben wollte an der schönen neuen Datenwelt. . . <BR></P><P> </P>

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