Schleier in Gelb-Orange aus der Sahara

- Als Stefan Schwarzer am Morgen des 21. Februar 2004 die Türe seiner Wetterstation auf der Zugspitze öffnete, traute er seinen Augen kaum. Auf den Garmischer Wetterbeobachter driftete eine orange-gelbe Wolke zu. Kurz darauf war das gesamte Zugspitz-Massiv in feinsten Sahara-Staub eingehüllt."So spektakulär wie in diesem Februar wird der Sand aus der Sahara nur etwa alle 10 bis 15 Jahre nach Bayern befördert", erklärt Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst in München. Doch Sahara-Sand gelangt viel öfter nach Bayern. Meist ist er aber nicht zu sehen, weil die Konzentrationen so niedrig sind. Nur manchmal liegt er nach einem Regenschauer als feiner Film auf den Autos.

<P>Dass der Sahara-Sand bis nach Deutschland reist, liegt an einer speziellen Wetterlage. "Aus den nördlichen Breiten gelangt kalte Luft bis in den westlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Dort entsteht ein Tiefdruckwirbel, an dessen Ostflanke sich eine starke Südströmung über das Mittelmeer und den Alpenraum ausbildet, in der die Luft bis nach Deutschland befördert wird", sagt Wünsche. <BR><BR>In den nördlichen Alpen macht sich eine solche Luftströmung dann als Föhn bemerkbar. Die feinen Sandpartikel, auch Aerosole genannt, die durch das Tiefdruckgebiet aus der Sahara aufgewirbelt werden, sind nur einige tausendstel Millimeter groß. In einer Höhe von vier bis fünf Kilometer legen sie dann auf einer Breite von mehreren hundert Kilometern die Strecke bis nach Bayern zurück. <BR><BR>Wenn sie so geballt wie am 21. Februar in den Freistaat gelangen, ruft ihr gelb-oranges Farbspiel eine mystische Wirkung hervor, die Experten leicht erklären können. "Es lässt sich auf eine Lichtbrechung an den feinen Partikeln in der Luft zurückführen", sagt Professor Wolfgang Seiler vom Fraunhofer-Institut für Atmosphärische Umweltforschung in Garmisch-Partenkirchen.<BR><BR>Das spektakuläre Phänomen großer Sahara-Sandmassen in der winterlichen Luft und im Niederschlag ist auch schon unseren Vorfahren aufgefallen. Sie gaben der Erscheinung, die sie sich damals nicht erklären konnten, den Namen "Blutschnee".</P><P>Viel regelmäßiger als nach Bayern wird der Sahara-Sand allerdings über den Atlantik befördert. Verantwortlich dafür sind die globalen Passatwinde, die jedes Jahr Millionen Tonnen Sand in bis zu vier Kilometer Höhe in die rund 5000 Kilometer entfernten Regenwälder Südamerikas blasen.<BR><BR>Den Transport des Sandes aus der Sahara hat Charles Darwin schon im Jahr 1845 untersucht. Ihm war aufgefallen, dass Sandniederschläge auf Schiffen auf dem Atlantik vor allem dann zunahmen, wenn der Harmattan, ein trockener heißer Sturmwind, über der Sahara in westliche Richtung blies. Heute lässt sich die Spur des Sandes leicht auf Satellitenbildern nachvollziehen.</P><P>Der Sand aus der Sahara ist für viele Flechten und Moose in Südamerika eine gigantische Nährstoff-Dusche und in ihrem Nährstoffkreislauf fest eingeplant. Die Pflanzen, die auf den riesigen Regenwald-Bäumen wachsen, haben ihre Wurzeln in Haftorgane umgewandelt und filtern die für sie lebensnotwendigen Nährstoffe und Staub aus der Luft.<BR><BR>Nachgewiesen haben dieses Phänomen die Atmosphärenforscher vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Sie stießen bei ihren Messungen über Luftverschmutzung auf die Sandteilchen in den Regenwäldern. Durch chemische Analyse können die Mainzer Wissenschaftler sogar feststellen, aus welchen Teilen der afrikanischen Wüste die Sandteilchen stammen. </P>

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