Der gläserne Mensch, elektronisch ausgespäht und ausgelesen: Ein Albtraum für die meisten. foto: fotolia

Nutzer sind verunsichert

So schützt man Daten vor Spähern

München - Welchen Diensten im Internet kann man noch trauen? Und wie schützt man seine Daten? Seit den Enthüllungen zu den Internet-Überwachungssystemen der USA und Großbritanniens ist die Unsicherheit vieler Internetnutzer groß.

Doch sie können einiges tun, um ihre Privatsphäre zu schützen.Computer

Datensammelei im Netz brachte man bislang vor allem mit Unternehmen und Werbung in Verbindung. Dass Geheimdienste Daten und Kommunikation im großen Stil und mit Unterstützung populärer Internetdienstleister abschöpfen, hat man höchstens geahnt. Doch jetzt kommen immer mehr Beweise und Details zum Ausmaß der Überwachung ans Licht. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein stuft deshalb den Selbstdatenschutz als wichtiger denn je ein: „Grundprinzipien sind hierbei Datenvermeidung und Datensparsamkeit, also so wenige Daten im Netz zu hinterlassen wie irgend möglich.“ Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, sich vor Spähern zu schützen – ein Überblick.

Grundschutz

Vorsicht beginnt beim eigenen Computer. Pflicht sind ein aktuelles Virenschutz-Programm und eine Firewall. Gute Programme sind auch kostenlos zu haben. Außerdem sind sichere Passwörter essenziell. Diese enthalten möglichst Klein- und Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Je länger sie sind, desto schwieriger sind sie zu knacken. Möglich ist etwa, das Passwort aus einem Satz zu konstruieren. Aus „Ich esse im Sommer gerne Vanilleeis mit Erdbeeren und Sahne“ wird „IeiSgVmEuS“. Um Zahlen und Sonderzeichen einzubauen, werden ähnliche aussehende Buchstaben ausgetauscht – etwa I gegen 1, S gegen $. Das Passwort lautet dann: 1eiSgVmEu$. Am besten sollte es aber länger sein.

Dienste

Wegen der sicheren Anwendbarkeit des europäischen Datenschutzrechtes sind bei der Auswahl von Internetdiensten europäische und deutsche Angebote den Angeboten aus Drittländern, insbesondere aus den USA, vorzuziehen, empfiehlt das Landeszentrum. Auch bei britischen Anbietern sei größere Vorsicht und Zurückhaltung geboten. Vor der regelmäßigen Nutzung eines Internetangebots sollte man sich die Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen durchlesen – und auf den Dienst verzichten, wenn Datenschutz-Zweifel bleiben. Bei den Diensten sollte man auf eine Verschlüsselung sowohl der Verbindung (https) als auch der Daten auf den Servern des Anbieters achten.

Identität

Der Benutzername für einen Dienst oder die verwendete E-Mail-Adresse müssen keinen Hinweis auf die Identität des Nutzers liefern. „Verwenden Sie – wie vom Telemediengesetz rechtlich vorgesehen – statt Klarnamen Pseudonyme“, raten die Datenschützer. Außerdem könne die Nutzung mehrerer Browser, mehrerer E-Mail-Konten oder mehrerer sonstiger Identitäten – etwa mehrere Benutzerkonten bei einem Dienst – eine Profilbildung erschweren.

Suchmaschinen

Google oder Bing zeichnen jede Suchanfrage auf und versuchen, über die Verknüpfung mit Informationen wie IP-Adresse oder Cookies, Nutzerprofile zu erstellen oder zuzuordnen. Datenschützer raten deshalb zum Benutzen von Suchmaschinen, die keine Daten aufzeichnen, etwa www.startpage.com, www.metager.de oder www.duckduckgo.com.

Surfen

Wer vollkommen unerkannt surfen möchte, muss seine IP-Adresse gegenüber den Webseiten verbergen, die er aufruft. Das leisten Anonymisierungsdienste wie Tor. Solche Dienste bremsen aber auch die Surfgeschwindigkeit. In vielen Fällen alltagstauglicher ist die Nutzung alternativer Browser wie Firefox mit nützlichen Add-ons. Dazu zählen etwa BetterPrivacy (löscht hartnäckige Spezial-Cookies), Ghostery (Tracking-Blocker), HTTPS-Everywhere (erzwingt, falls möglich, verschlüsselte Verbindungen) oder Flagfox (verrät den Server-Standort). Darüber hinaus sollte man den Browser so einstellen, dass beim Schließen Cookies, Zwischenspeicher und History gelöscht werden.

E-Mail

Es gibt Mail-Dienste, die sich ganz auf die Privatsphäre der Nutzer konzentrieren. Dazu gehören etwa Posteo.de, Riseup.net oder Autistici.org, bei denen man seinen Namen nicht angeben muss, und die die Mails zum Teil verschlüsselt übertragen und speichern. Noch besser: Wer Mailclients wie Outlook oder Tunderbird nutzt, kann Mails beliebiger Dienste mit Hilfe des Programms Pretty Good (PGP) verschlüsseln. Es gibt auch PGP-Apps für Android oder iOS. Wer das Mailen ganz allein in die Hand nehmen möchte, bekommt bei den meisten deutschen Dienstleistern wie Domainfactory, 1&1, Host Europe, Strato oder SynServer ab rund einem Euro im Monat einen Mailserver mit eigener Internetadresse.

Online-Speicher und Adressbücher

Auch und vor allem sensible Daten sollte man nicht unverschlüsselt in Online-Speicher ablegen. Die Verschlüsselung übernimmt Software wie Truecrypt oder Boxcryptor. Es gibt auch europäische und deutsche Online-Speicher-Anbieter wie Cloudsafe oder Wuala, die die Daten direkt mit dem Benutzerpasswort verschlüsselt ablegen. So arbeitet auch der Dienst Licobo, der die zentrale Speicherung von Adressen und Telefonnummern sowie deren Synchronisierung über mehrere Geräte anbietet.

Wer das alles in Eigenregie realisieren möchte, kann bei verschiedenen Dienstleistern ab fünf Euro im Monat einen virtuellen Server buchen oder zu Hause einen alten Rechner zum Server umfunktionieren. Eine umfangreiche und kostenlose Cloud-Suite, die sich auf dem Server installieren lässt, heißt Owncloud. Sie hält Dateien, Kontakte und Termine zwischen mehreren Geräten synchron und kann auf dem Server abgelegte Daten verschlüsseln.

Telefonieren im Internet

Immer mehr Telefonate laufen über das Internet. Am bekanntesten ist das Programm Skype. Aber auch andere Firmen bieten entsprechende Dienste an. Die Telefonate sind in der Regel aber unverschlüsselt oder nur vom Anbieter verschlüsselt. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt den Dienst Silentcircle. Dieser bietet eine komplette Verschlüsselung vom einen Ende bis zum anderen an.

Dirk Averesch

Die Tricks der Daten-Hacker

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