Zum Schutz im Kreis gelaufen

- Bei dichtem Nebel oder beim Durchqueren einer Sand- oder Schneewüste, bleibt die Orientierung schnell mal auf der Strecke. Dann besteht die Gefahr, dass man im Kreis läuft. Da sich das Orientierungssystem stetig in die Richtung verschiebt, in die ein Mensch läuft, hat er die ganze Zeit über das Gefühl, geradeaus zu gehen. Wer dann in Panik gerät, läuft schneller. Die Kreise werden dabei enger, und am Ende landet er wieder dort, von wo aus er aufgebrochen ist.

<P>Für dieses Phänomen wird oft der Körper verantwortlich gemacht. Angeblich übernimmt er das Ruder, sobald der Orientierungssinn versagt. Und da der Körper nicht völlig symmetrisch gebaut ist -, in aller Regel ist ein Bein ein wenig kräftiger oder länger als das andere, ein Arm etwas stärker als der andere - soll er dazu neigen, ständig nach der einen oder anderen Seite abzuweichen. <BR><BR>Inzwischen ist bekannt, dass diese Erklärung nicht stimmen kann. Denn Experimente haben ergeben, dass es allein vom Zufall abhängig ist, ob jemand nach links oder rechts ausschert. Bei ein und denselben Testpersonen, die mit verbundenen Augen geradeaus laufen sollten, war manchmal ein Links-, manchmal ein Rechtsdrall zu beobachten. Aber auch Pferde, Elche und viele andere Tiere haben die Angewohnheit, sich in leichten Kurven vorwärts zu bewegen. </P><P>Was also veranlasst Menschen und Tiere dazu, im Kreis zu laufen, und warum hat die Evolution ihnen diese Angewohnheit nicht schon längst ausgetrieben? Hierauf, behauptet der schwedisch-amerikanische Navigationsexperte Erik Jonsson, gibt es nur eine schlüssige Antwort: Das Im-Kreis-Laufen ist ein Mechanismus, den die Evolution irgendwann selbst hervorgebracht hat. Er gewährleistet, dass Säugetiere, die beispielsweise im dichten Nebel vom Weg abgekommen sind oder die Hals über Kopf vor einem Angreifer fliehen müssen, immer wieder dorthin zurückkehren, wo sie sich am besten auskennen und wo sie sich am sichersten fühlen können: in ihrem eigenen Territorium. <BR><BR>Unter normalen Umständen, erklärt Jonsson, laufen weder Menschen noch Tiere konstant geradeaus, sondern erlauben sich immer wieder Abweichungen vom direkten Kurs. Diese Abweichungen werden jedoch von ihrem inneren Navigator unablässig registriert und korrigiert. Der innere Navigator ist allerdings überfordert, wenn er in der Außenwelt nicht die markanten Merkmale findet, die er für die Kursbestimmung braucht und arbeitet schlecht oder setzt völlig aus, wenn er unter Erschöpfung, Stress oder Panikattacken leidet.</P>

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