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Rauchergeräte haben in der Schweiz keinen Zutritt zum Apple-Store.

Zu gefährlich?

Apple verweigert Reparatur von Raucher-Computer

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Schweiz - Eine Frau bringt ihren defekten iMac zum Apple Store. Trotz bestehender Garantie weigern sich die Mitarbeiter den Computer zu reparieren. Mit einer bizarren Begründung.

Um ihre teuren Apple-Produkte längerfristig abzusichern, schließen viele Kunden eine teure Garantieverlängerung ab. So sind die Geräte auch nach dem Ablauf der regulären Garantie weiterhin versichert. Diesen Sicherheitsaspekt hat auch Patricia K. gewählt. Die Schweizerin arbeitet des Öfteren von zuhause aus. Ihr Arbeitscomputer ist ein iMac von Apple. Als dieser eines Tages den Geist aufgibt bringt ihn die Frau zum nächsten Apple-Store. Mit der beruhigenden Gewissheit ihrer Garantieverlängerung stellt sich die Schweizerin nur die Fragen nach der Art und dem Umfang des Schadens sowie der Reparaturdauer.

Im Apple-Store erhält sie dann eine äußerst überraschende und nicht vorhersehbare Absage: Wegen Nikotinablagerungen durch Zigarettenrauch sei die Festplatte kaputt. Patricia K. verlangt die Öffnung des Computers und lässt ihn im Laden. Aus dem Wunsch wurde nichts: "'Kaum war ich zuhause, bekam ich einen Anruf vom Verkäufer und er sagte, Apple werde das Gerät nicht reparieren, weil es zu gefährlich sei", teilte sie gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mit. 

Apple-Mitarbeiter in Gefahr?

Zu gefährlich deshalb, weil der Computer in einem Raucherhaushalt gestanden habe. Apple wolle das Gerät nicht anfassen, denn Nikotinablagerungen würden die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden. Zwar würden sie und ihr Partner zu der ein oder anderen Zigarette nicht nein sagen, doch Vorwürfe ihre Wohnung sei eine Raucherhöhle weißt die Schweizerin beim SRF von sich: "Wir rauchen nicht mehr als andere zuhause und wir lüften permanent. Beim Gerät wird sowieso nicht geraucht." Die Möglichkeit von Nikotinablagerungen bestreitet Patricia K. nicht, fügt jedoch hinzu: "Wir haben viele Geräte in der Wohnung – auch von Apple – und keines hatte bisher einen Nikotinschaden oder auffällige Ablagerungen. Das ist einfach nur lächerlich."

"Espresso", das Konsumentenmagazin von Radio SRF 1, hat bei Apple Schweiz in der Angelegenheit nachgefragt. Eine Stellungnahme hat der Rundfunksender jedoch nicht erhalten. Dafür hat der Apple-Hauptsitz in den USA eine schriftliche Erklärung abgegeben: "Unsere offizielle Politik beinhaltet, dass Nikotin eine gefährliche Substanz ist und, dass Produkte, die damit belastet sind, nicht sicher behandelt werden können, weil sie das Reparatur-Team einem möglichen Gesundheitsrisiko aussetzen."

"In diesem Fall ist die Vorsichtsmaßnahme übertrieben"

Zur Klärung des Sachverhalts hat "Espresso" beim Toxikologen Michael Arand von der Universität Zürich nachgefragt. Er erklärt, dass im Prinzip alle Substanzen gesundheitsgefährdend seien, sobald sie in zu hoher Konzentration in unseren Körper gelangen. Das gelte für Kochsalz genauso wie für Nikotin. Im Fall von Frau K. ist er sich sicher: "Die Mengen an Nikotin, mit denen man in diesem Fall rechnen muss, sind so niedrig, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine akute Gefährdung für die Mitarbeiter von Apple darstellen kann." Arand kommt daher zur Schlussfolgerung, dass die Vorsichtsmaßnahme in diesem Fall übertrieben sei.

Darf Apple eine solche Garantie-Reparatur verweigern?

Zusätzlich spricht der rechtliche Aspekt für die Verbraucherin. Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner verneint gegenüber "Espresso" die rechtmäßige Verweigerung der Garantiereparatur: "Erstens, hätte Apple die Kundin beim Kauf auf einen solchen Garantie-Ausschluss aufmerksam machen müssen. Und zweitens, wäre ein solcher Ausschluss auch nur zulässig, wenn die Gesundheit der Mitarbeiter wirklich in Gefahr wäre." 

Mit dieser Vermutung führt Frau K. ein stundenlanges Gespräch mit einem Mitarbeiter der Apple-Hotline. Zur Lösung des Problems schlägt dieser vor, sie solle das Gerät Dataquest, einer Partnerfirma von Apple, bringen. Doch, dass die Firma den iMac anfasse, könne nicht garantiert werden.

Viel Lärm um nichts

Im Gegensatz zu den Apple-Mitarbeitern zeigt der Dataquest-Techniker keine Scheu, sondern untersucht den Computer und ist über die Begründung von Apple überrascht, da die Nikotinablagerung im normalen Rahmen liege. Für ihn sei weder die Reparatur gefährlich, noch seien die Ablagerungen für den Schaden verantwortlich. 

Der Mitarbeiter von Dataquest nimmt das Gerät unter die Lupe und findet die erstaunliche Ursache des Defekts. "Er hat mich mit einem Lachen begrüßt und sagte mir, dass die Festplatte das Problem war. Apple habe für genau diese Ausführung einen Rückruf gestartet, weil sie grundsätzlich nicht funktioniert", erinnert sich Patricia K. dem Bericht zufolge. 

deu

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