Schwule Kontaktbörse ohne Regenbogen

- "Die Schwulen sollen doch erst einmal zum Psychiater gehen", musste sich Tobias Kächele von Kommilitonen anhören, als er an der Technischen Universität München ein Referat für Schwule und Lesben einrichtete. Zwar sind die "Hochschwulen", wie sich die schwul-lesbischen Studentenvertreter jetzt nennen, keine Neuheit in München - an der Ludwig-Maximilians-Universität organisierten sich homosexuelle Studenten schon in den 1980er-Jahren. Doch auch heute noch kämpfen Kächele und seine Mitstreiter gegen offene und subtile Diskriminierung.

"Ich bin es leid, Fragen wie ,Ziehst du Röcke an?’ beantworten zu müssen", klagt Joschua Simon-Liedtke. Schwulsein sei nur ein Aspekt seiner Persönlichkeit. Auch Stefan Heibl musste sich schon auslachen lassen, als er seinen Partner Kächele öffentlich küsste.

Genau deshalb kämpfen die drei Männer für Anerkennung. Für gleichgesinnte Studenten wollen sie eine Anlaufstelle sein und Treffen organisieren, ohne sich gleich den Regenbogen, das Erkennungsmerkmal Homosexueller, umzubinden.

"Wenig negative Erfahrungen" hat Nadine A. gemacht. Die 21-Jährige möchte ihren Nachnamen dennoch nicht in der Zeitung lesen. Denn sie hat sich gegenüber ihren Eltern noch nicht als Lesbe geoutet. Nur die Freunde wissen es schon. "Vielleicht schreiben wir uns in Zukunft HochschwuLE, damit sich lesbische Studentinnen auch angesprochen fühlen", überlegt A. Über die weibliche Verstärkung freuen sich die drei Herren sehr. "Für Schwule ist es wichtig, auch Kontakt zu Frauen zu haben, da wir sie sonst aus den Augen verlieren", sagt Simon-Liedtke mit einem Augenzwinkern.

"Bist du schwul?"

"Ja."

Der offene 21-Jährige bezeichnet sein "Coming out" als "unspektakulär". "Als ich 16 war, hat meine Mutter Poster mit nackten Männern in meinem Schrank entdeckt", erzählt Simon-Liedtke. Auf die Frage "Bist du schwul?", habe er einfach mit "Ja." geantwortet. Hinterher hätte sich herausgestellt, dass seine Eltern schon länger vermutet hatten, dass ihr Sohn homosexuell ist. So hat die Familie es Simon-Liedtke eher leichtgemacht, zur Homosexualität zu stehen.

Über ihr "Coming out" wollen Kächele und Heibl nicht so gern sprechen. Der 22-Jährige und der 31-Jährige haben sich vor eineinhalb Jahren über ein schwules Internetportal kennengelernt. Simon-Liedtke findet aber die Angebote dort oft "wenig seriös". Deswegen sehen sich die Hochschwulen auch als Kontaktbörse für schwul-lesbische Studenten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nur drei Prozent würden Facebook-AGB komplett zustimmen
Viele Internetnutzer machen sich nicht die Mühe, die AGBs von Diensten gründlich zu studieren, bevor sie zustimmen. Auch wer ein Facebook-Konto erstellt, übergeht oft …
Nur drei Prozent würden Facebook-AGB komplett zustimmen
App-Installation aus anderen Quellen ändert sich bei Android
Android-Nutzer beziehen die meisten Apps über den Googles Play Store. Stammen die Anwendungen aus anderen Quellen, wird für die Installation eine Zustimmung verlangt. …
App-Installation aus anderen Quellen ändert sich bei Android
Aktive Minderheit postet laut Analyse viele Hass-Kommentare
Haben Nutzer von sozialen Medien wie Facebook einen Hang zum Hass? Nein, sagt eine neue Studie. Hinter Posts, die andere beleidigen, herabwürdigen oder beschimpfen, …
Aktive Minderheit postet laut Analyse viele Hass-Kommentare
Dating-Apps versagen im Test beim Datenschutz
Dating-Apps wissen mehr über ihre Nutzer als mancher enge Freund. Doch viele Apps schützen diese Informationen nicht. Im Gegenteil: Einige Anbieter teilen intimste …
Dating-Apps versagen im Test beim Datenschutz

Kommentare