Sechs Schritte: Unsere Welt - ein vernetztes Dorf

- Kann es stimmen, dass alle Menschen auf der Welt über fünf oder sechs Ecken miteinander bekannt sind? Nach der Small World-Theorie sind wir alle miteinander so vernetzt, dass wir letztendlich mit jedem anderen irgenwie Kontakt aufnehmen könnten. Die Welt der Wissenschaft war lange unsicher, was sie von der Theorie halten sollte. Jetzt hat sich das Blatt gewendet.

<P>Um empirisch zu prüfen, ob die gesellschaftliche Welt tatsächlich ein Dorf ist, hat der Soziologe Duncan Watts von der Columbia Universität in New York vor einem Jahr eine Website eingerichtet. Wer sie anklickt, wird eingeladen, einer von 20 Personen, die über den ganzen Erdball verstreut sind, über eine möglichst kurze Kette persönlicher Bekannter eine Nachricht zukommen zu lassen. Die Studie hat vielversprechende Zwischenergebnisse. </P><P>So ist gerade über sechs Zwischenstationen eine Verbindung zwischen Sibirien und Australien zu Stande gekommen. Urheber der Small World-Theorie ist der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram, der sich war, dass Mitglieder einer großen sozialen Gesellschaft (in seinem Fall der USA) über kurze Ketten vorübergehender Bekanntschaften miteinander verbunden sind. Darum bat er 1967 insgesamt 160 Einwohner einer Stadt in Nebraska, einem Börsenmakler aus Boston einen Brief zu schicken. Die Adresse wurde ihnen nicht verraten. Statt dessen wurden sie dazu aufgefordert, den Brief an eine Person weiterzuleiten, die zu ihrem Bekanntenkreis gehörte und von der sie annahmen, dass sie mit dem Makler direkt oder indirekt in Verbindung stehen könnte. </P><P>Nach Abschluss des Experiments gab Milgram bekannt, dass die meisten der Briefe ihren Bestimmungsort erreicht hätten - und das durchschnittlich über bloß fünf oder sechs Etappen. Im Jahre 1998 zogen der Soziologe Duncan Watts und der Mathematiker Steve Strogatz die Graphentheorie heran, um dem Small World-Phänomen auf den Grund zu kommen. Monatelang spielten sie am Computer unzählige Netzwerk-Varianten durch. Schließlich gelang es ihnen, sechs Milliarden Punkte - der Weltbevölkerungszahl entsprechend - so miteinander zu verbinden, dass man von jedem beliebigen Punkt aus über höchstens sechs Querverbindungen jeden beliebigen anderen Punkt erreichen kann. Dann befassten sich Watts und Strogatz mit dem Nervensystem des Fadenwurms "Caenorhabditis elegans". </P><P>Dabei stellte sich dann heraus, dass die 282 Neuronen im Nervensystem dieses Modellwurms der Genforschung so miteinander verkoppelt sind, dass sie im Schnitt nur 2,65 Zwischenschritte voneinander trennen. Inzwischen haben Wissenschaftler aller möglichen Fachrichtungen jede Menge anderer Netzwerke mit Small Word-Eigenschaften entdeckt. Beispielsweise haben Neurowissenschaftler man herausgefunden, dass das menschliche Gehirn so verknüpft ist, dass jedes seiner Areale von den übrigen jeweils nur zwei oder drei Zwischenstationen entfernt ist. </P><P>Das würde erklären, warum es trotz seiner Komplexität schnell und koordiniert reagieren und selbst dann noch funktionieren kann, wenn einzelne Areale schwer geschädigt oder vollständig zerstört sind. Ganz ähnlich wie das Gehirn sind Ökosysteme, Sprachen, Wirtschaftssysteme, das Internet und tierische und pflanzliche Zellen organisiert. Small Worlds haben neben etlichen Vorteilen auch Nachteile. Sie ermöglichen es, Informationen mit hoher Geschwindigkeit über große Distanzen zu übertragen. Aber sie machen es auch Infektionskrankheiten leicht, sich überallhin zu verbreiten. Wenn sechs Milliarden Menschen über nah- und Fernverbindungen weltweit miteinander vernetzt sind, kann jede Infektion, die auf Menschen an den Schnittstellen überspringt, eine Kettenreaktion auslösen. Genauso hat sich das Aids-Virus verbreitet. Aids ist ein tragisches Beispiel für die extreme Vernetzung der Welt. </P><P>Internet: </P><P>Link zur Studie der New Yorker Columbia-Universität: www.smallworld.sociology.columbia.edu/ </P><P> Weitere Infos und Links zum Thema: www.santafe.edu/sfi/publications/Bulletins/bulletinFall99/workInProgress/smallWorld.html </P>

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