Seine Chemiewelt ist Kultur

- Der Münchner Ernst Otto Fischer, Nobelpreisträger für Chemie von 1973 und emeritierter Professor der Technischen Universität München (TUM), wird am 10. November 85 Jahre alt. 20 Jahre, von 1964 bis 1984, hat Fischer als Lehrstuhlinhaber für Anorganische Chemie an der Hochschule Generationen von jungen Wissenschaftlern geprägt.

<P>Über Jahrzehnte hat der Forscher die moderne Metallorganische Chemie entwickelt und zu weltweitem Erfolg geführt. "Impulsiv und nachdenklich, weltgewandt und heimatliebend, Naturwissenschaftler und Schöngeist: Das sind die Gegensätze, die den Münchner Chemie-Nobelpreisträger Ernst Otto Fischer als Persönlichkeit so spannend machen", so Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM und seit 1985 Fischers Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Anorganische Chemie, in seiner Würdigung zum Geburtstag des Pioniers der metallorganischen Chemie.<BR><BR>Fischer durchlief seine akademische Ausbildung in seiner Heimatstadt München. Den Absolventen des humanistischen Theresiengymnasiums faszinierten während eines Kriegsurlaubs die Vorlesungen des Anorganikers Walter Hieber (1895-1976) an der Technischen Hochschule München. Der Lehrer erzählte so fesselnd, dass sich der Abiturient der Chemie zuwandte statt Kunstgeschichte zu studieren.<BR><BR> Hieber erforschte damals Kohlenmonoxid-Komplexe von Metallen. Sie eröffneten dem jungen Fischer den Weg zum spätereren Nobelpreis: "Es gelang ihm, Metalle mit Kohlenwasserstoff-Fragmenten zu verbinden und mit diesen neuen Bindungen eine ungeahnte Reaktivitätsvielfalt der Metalle hervorzuzaubern", so Gratulant Herrmann bewundernd über seinen Vorgänger, der die Brücke zwischen der anorganischen und der organischen Chemie fand. <BR><BR>Fischer wirkte an beiden Münchener Universitäten. An der damaligen Technischen Hochschule entdeckte er das Dibenzolchrom und wurde berühmt (1955). Dann berief man ihn als "persönlichen Ordinarius" an die Ludwig-Maximilians-Universität (1957), wo sich internationales Fachpublikum für seine Arbeit interessierte. 1964 übernahm er den Lehrstuhl von Hieber an der heutigen TUM.<BR><BR>Als Fischer 55 war, kam der Nobelpreis. Damit wurde seine Entwicklung von chemischen Stoffklassen, die durch Metall-Kohlenstoff-Bindungen geprägt sind, gewürdigt. Die energie- und ressourcensparenden Katalyseprozesse von heute wurden durch den Münchner Chemiker und seinem Mitpreisträger Geoffroy Wilkinson in London in der Grundlagenforschung vorbereitet. Fischer interessierte sich nicht für die praktische Umsetzung seiner Ergebnisse. "Ihn trieben die Neugier und das Staunenkönnen. Daraus schöpfte er die Begeisterungsfähigkeit für uns Junge, die wir nach seiner Meinung weder rauchen noch heiraten sollten", erinnert sich Herrmann schmunzelnd. <BR><BR> Fischer selbst blieb bis zu seiner Emeritierung Junggeselle. Erst dann fand er Zeit für eine Lebenspartnerin. Die Chemie war bis dahin sein Leben. Er vermittelte den Jungwissenschaftlern diese Chemie als Kulturleistung in einer Welt, in der sich Naturwissenschaft, Literatur und Kunst begegnen. </P><P> </P><P> </P>

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