Selbständig: Klinikum der TUM

- Es bleibt dabei: Am 1. Juli wird das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München - jetzt noch ein Staatsbetrieb - eine selbständige "Anstalt des öffentlichen Rechts".

<P>Dieser Pilotversuch räume dem Klinikum "ein noch höheres Maß an Selbständigkeit" ein, meint wohlwollend Wissenschaftsminister Hans Zehetmair: "Selbständigkeit bedeutet dabei ein Mehr an Flexibilität, Eigenverantwortung und letztlich auch Motivation." Dies seien gute Voraussetzungen für eine weitere Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.<BR><BR>Zum Feiern sei eigentlich kein Anlass, meint zurückhaltend Verwaltungschef Claus Thaller, einer der Motoren der Verselbständigung: "Wir haben viele Kompromisse schließen müssen und erst einmal eine Probephase von fünf Jahren vor uns."<BR>Nachbessern zu können, heißt aber auch, einen gewissen Spielraum zu haben - und darauf hoffen natürlich alle, die künftig im Klinikum Verantwortung tragen.<BR><BR>Was Claus Thaller besonders wurmt: "Wir werden uns wirtschaftlich nicht mit privaten Klinikbetreibern messen können." Ein Beipiel: Private Klinikketten können ein Organschaftsmodell (mit Mehrheitsanteil) mit Fremdbetrieben, wie dem Küchen- oder dem Reinigungsbetrieb vereinbaren und brauchen dann keine Mehrwertsteuer zu zahlen. Thaller: Dies macht für das Klinikum immerhin mehrere 100 000 Euro aus." Aber die wollte sich der Staat natürlich nicht entgehen lassen.<BR>Für die Patienten bringt die neue Rechtsform übrigens keine Neuerung. <BR><BR>Aus Hochschulsicht wird sich auch an der Berufung der Medizinprofessoren nichts ändern, das heißt, es ist wie bisher eine Ausschreibung nötig. Allerdings werden die künftigen Klinik- oder Abteilungschefs andere Verträge erhalten: Sie sind keine Beamten auf Lebenszeit mehr, sondern Angestellte mit befristetem Arbeitsverhältnis. Sie erhalten eine Urkunde (mit dem Professorentitel) vom Wissenschaftsministerium, aber einen zweiten Chefarzt-Vertrag schließen sie direkt mit dem Klinikum ab. Sofern sie nicht schon Klinikchef mit Liquidationsrecht waren, werden sie auch keines mehr bekommen. Thaller: "Sie erhalten dann ein Fixgehalt und Tantiemen nach Leistung über die Klinik." <BR><BR>Was sich außerdem ändert: Das Wissenschaftsministerum hat keine Fachaufsicht mehr, sondern nur noch die Rechtsaufsicht.<BR>Der Klinikumsvorstand führt die Geschäfte und leitet eigenverantwortlich das Klinikum. Er hat auch Weisungsbefugnisse in der Krankenversorgung (außer bei ärztlichen Entscheidungen). Der erste Vorstand besteht zum Übergang für zwei Jahre aus den jetzigen Leitern und dem Dekan, danach wird er neu bestimmt. Seine Mitglieder: der Ärztliche Direktor (Prof. Jörg Rüdiger Siewert), der Verwaltungsdirektor (Claus Thaller), die Pflegedirektorin (Anette Thoke-Colberg) und der Dekan der Fakultät für Meidzin (Prof. Markus Schwaiger).<BR><BR>Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung in grundsätzlichen Klinikangelegenheiten, legt die Struktur- und Entwicklungsplanung fest, überwacht die Geschäfte des Vorstands und bestellt oder beruft dessen Mitglieder ab.<BR><BR>Ihm gehören der Wissenschaftsminster und je ein Vertreter der bayerischen Wissenschafts-, Gesundheits-, Sozial- und Finanzmisterien an, außerdem der Präsident der TUM, ein Mediziner, der nicht Klinikumsvorstand ist (als erster der Chef der Strahlentherapie, Prof. Michael Molls), der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Firma Siemens und der Direktor der Kölner Uniklinik für Innere Medizin.<BR></P>

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