Semesterbeginn in Trümmern

- Am Ende des Zweiten Weltkriegs, das sich kommendes Wochenende zum 60. Mal jährt, lagen die Technische Hochschule (heute Technische Universität) und die Ludwig-Maximilians-Universität größtenteils in Trümmern. Die Studenten mussten an der Wiedererrichtung der Hörsäle mitarbeiten. Nur unter widrigen Bedingungen konnte der Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden.

<P class=MsoNormal>"Ich habe nicht wenige Vorlesungen erlebt, bei denen es zum Dach hereingeregnet hat", erinnert sich der heute 81-jährige Professor Karl Otmar Freiherr von Aretin. Als der Historiker, der lange Zeit an der TU Darmstadt forschte und lehrte, nach Kriegsende in München sein Geschichts-Studium aufnahm, war das Hauptgebäude an der Ludwigstraße samt Lichthof zu 80 Prozent zerstört. </P><P class=MsoNormal>Ein ähnliches Bild zeigte sich auf dem Stammgelände der damaligen Technischen Hochschule an der Arcisstraße. Auch hier lagen vier Fünftel der Gebäude in Trümmern. Im Sommersemester 1945 und Wintersemester 1945/1946, als der Lehrbetrieb völlig ruhte, wurden Studenten zu Bautrupps zusammengefasst und räumten das Stamnmgelände auf. Die 3000 Studenten, die schließlich 1946 ihr Studium aufnahmen, mussten pro Semester 50 Stunden Aufräumarbeit ableisten.</P><P class=MsoNormal>Auch an der Ludwig-Maximilians-Universität wurden Studiumsanwärter für den "Studentischen Bautrupp" verpflichtet. "Ich musste vor der Einschreibung nachweisen, dass ich ein halbes Jahr beim Wiederaufbau mitgewirkt hatte", berichtet von Aretin. Zunächst sei er - obwohl nicht schwindelfrei - als Dachdecker eingesetzt worden. "Das hatte aber keinen Sinn", so der 81-Jährige.</P><P class=MsoNormal>Stattdessen habe er für das Studentenwerk gearbeitet, das die Wohnungsnot in den Griff zu kriegen versuchte. Viele Studenten lebten in notdürftigen Quartieren ohne Licht und Heizung.</P><P class=MsoNormal>Als die LMU im Frühjahr 1946 den Studienbetrieb wieder aufnahm, seien viele seiner Kommilitonen noch "vom Krieg gezeichnet" gewesen, so von Aretin. "Sie sahen das Kriegsende als Niederlage an." Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Geschehenen habe damals noch nicht stattgefunden.</P><P class=MsoNormal>Erst 1966 habe die LMU angefangen, sich mit ihrer NS-Vergangenheit zu beschäftigen, berichtet die LMU-Historikerin Professor Elisabeth Kraus. "Das Thema wurde vorher nicht unter den Teppich gekehrt, aber von anderen Dingen, wie der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs, überlagert."</P><P class=MsoNormal>Inzwischen beschäftigt sich selbst die Fachhochschule, die es zu Kriegszeiten noch gar nicht gab, mit dem Nationalsozialismus. Der Grund: Die Vergangenheit des Campus Pasing, an dem seit 1991 BWL, Tourismus und Sozialwesen gelehrt werden. Von 1935 bis 1943 befand sich hier die Hans-Schemm-Hochschule für Lehrerbildung, benannt nach dem damaligen NSDAP-Kultusminister. "Die Studenten haben immer wieder die Frage gestellt, welche Vergangenheit das Gebäude hat", so Klaus Weber, Professor für Soziale Arbeit. In einer Projektgruppe arbeitet er derzeit die Geschichte des Gebäudes am Stadtpark auf.</P><P class=MsoNormal>Um die Zeit des Nationalsozialismus geht es auch in dem Forschungsprojekt "Kriegskindheit" an der Psychiatrischen Klinik der LMU. Das Team um Professor Michael Ermann untersucht darin, wie zwischen 1933 und 1945 Geborene ihre Erfahrungen verarbeitet haben. Zu diesem Thema gibt es am 9. Mai eine Podiumsdiskussion (19 Uhr, Geschwister-Scholl-Platz 1, HS 133).</P>

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