Semesterticket auf dem Abstellgleis

- Wenn von der Einführung eines MVV-Semestertickets für Studenten die Rede ist, wird gerne von einem "höchst komplexen und schwierigen Thema" gesprochen. Seit 1992 wird in München bereits darüber diskutiert. Vor gut einem Jahr beschloss der Stadtrat, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen. Jetzt hat die Stadt ihren Preis für herausragende Abschlussarbeiten an der Fachhochschule ausgerechnet für eine Arbeit über das Thema Semesterticket vergeben.

Hendrik David, Absolvent im Fachbereich Tourismus, erhält die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung. Er befragte in fünf Mensen fast 600 Studenten dazu, ob und wie sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Außerdem analysierte er verschiedene Modelle für ein verbilligtes Ticket.

Schließlich schlägt der aus Husum stammende FH-Absolvent ein Zwei-Komponenten-Modell vor. Jeder Student müsste im Semester 40 Euro zahlen und dürfte dafür außerhalb der Hauptverkehrszeiten - etwa abends und am Wochenende - den MVV nutzen. Wer rund um die Uhr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen will, müsste zusätzlich das Drei- bis Vierfache dieses Sockelbetrags zahlen.

Zwar lobt die Jury der Stadt die wissenschaftliche Qualität von Davids Arbeit. Sie verweist aber zugleich auf eine aktuelle Studie des MVV, wonach ein Semesterticket in München nicht machbar sei. Dies betonte bei der Preisverleihung auch Peter Bönisch vom MVV.

Auch Hendrik David selbst räumt ein: "Das finanzielle Risiko für den MVV wäre zu groß, weil unsicher ist, wie viele Studenten die zweite Komponente kaufen würden." Schon heute nutzen fast zwei Drittel der Studenten den MVV. Ein Zuwachs sei da auch mit Semesterticket kaum zu erwarten.

Studentenvertreter der TU München wollen das Semesterticket indes nicht aufgeben. "Der Wunsch ist da", sagt Student Christian Briegel, Leiter des eigens gegründeten AStA-Arbeitskreises Semesterticket. Mit Unterstützung der Hochschulleitung führen die Studenten derzeit eine Internet-Umfrage unter ihren Kommilitonen durch. Bis 12. Mai läuft die Erhebung. Je nach Ergebnis wolle man dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

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