Sensible Dickhäuter

- Tiere haben anders als Menschen kaum einen Bezug zu toten Angehörigen. Löwen verspeisen manchmal sogar einen verblichenen Artgenossen und trauernde Schimpansen lassen schnell von einem Artgenossen ab, wenn er zu verwesen beginnt.

Die einzige Ausnahme im Tierreich sind die Elefanten. Immer wieder werden die Dickhäuter beobachtet, wie sie aufgewühlt die Knochen längst verstorbener Artgenossen untersuchen. Das Interesse gilt dabei keineswegs nur den Überresten ehemaliger Familienangehöriger, berichten jetzt Zoologen in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Das Team um Karen McKomb von der Universität von Sussex in Brighton hat im kenianischen Amboseli-Nationalpark das Verhalten der Elefanten in drei Versuchsanordnungen untersucht. Verschiedenen Familienverbänden des Parks legten die Zoologen Schädel und Gebeine von Artgenossen, von Büffeln und von Nashörnern vor.

Mit den Überbleibseln von Artgenossen beschäftigen sich die Elefanten etwa doppelt so lange wie mit denen von den Büffeln und den Nashörnern. Von der Größe des Objekts war ihr Interesse nicht abhängig. Die Elefanten betasteten kleine Stücke Elfenbein deutlich länger mit ihrem Rüssel und den Füßen als die viel größeren Schädel.

Unterschiede nach Verwandtschaftsgraden machten die Tiere nicht. Sie hielten sich an den Schädeln fremder Elefanten genauso lange auf wie an dem Kopf ihrer eigenen toten Leitkuh.

Viele Forscher und Dokumentarfilmer haben immer wieder Begegnungen mit Elefanten beschrieben, die aufgeregt die Knochen ihrer Artgenossen betasteten. Deshalb nahm man lange Zeit an, dass mit dem Totenkult verschiedene Herdenmitglieder betrauert würden.

Die neuen Untersuchungen hätten nun gezeigt, dass Elefanten offenbar doch nicht gezielt eigene Verwandte aufsuchen, erklären die Zoologen.

Ins Reich der Mythen verwiesen die Forscher Berichte über so genannte Elefantenfriedhöfe, die gezielt von den Tieren zum Sterben aufgesucht werden und von den Familienverbänden regelmäßig besucht werden. Für die Häufung von Knochen an bestimmten Plätzen seien vielmehr verheerende Trockenzeiten oder die Großwildjagd verantwortlich. Keine Erklärung haben die Wissenschaftler bislang für den evolutionären Hintergrund des Interesses für die toten Artgenossen. Jetzt sind die Zoologen auf der Suche nach anderen Tieren, die diese Verhaltensweise an den Tag legen.

Lexikon aktuell: Elefanten

Elefanten sind die größten noch lebenden Landtiere. Bei der Geburt wiegt ein Kalb bis zu 100 Kilogramm. Die Tragzeit ist mit 20 bis 22 Monaten die längste für Landsäugetiere. Sie können bis zu 70 Jahre alt werden. Der größte Elefant war ein am 7. November 1974 in Südangola erlegter Bulle mit einem Gewicht von 12 240 Kilogramm.

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