Seuche als Urlaubssouvenir

- München - Bundesbürger, die für die Ferienzeit eine Fernreise in heiße Länder planen, sollten sich unbedingt rechtzeitig auch über Krankheitsrisiken und mögliche Schutzmaßnahmen informieren, empfehlen Münchner Tropenmediziner. Denn jedes Jahr kommen tausende deutsche Touristen mit einem unerfreulichen "Souvenir" zurück - einer gefährlichen Infektionskrankheit. Darunter sind allein um die 1000 Malariafälle, eingeschleppt aus Afrika, Mittel- oder Südamerika, Asien oder einem Mittelmeerland.

<P>Dass selbst scheinbar infektionsfreie Länder jederzeit wieder vom "Sumpffieber" heimgesucht werden können, zeigt die Welle von Malariaerkrankungen zum Jahresbeginn in der Dominikanischen Republik. "Die aktuelle Seuchenlage kann sich weltweit jederzeit ändern", warnte der Tropenmediziner Prof. Thomas Löscher von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), im Vorfeld einer Fortbildungstagung für Ärzteteams am 4. Juni (ab 9 Uhr im Pharmakologischen Institut der LMU). So ist in einigen islamischen Ländern wieder Kinderlähmung ausgebrochen, und in Indien, im Gebiet von Neu-Delhi, eine Epidemie der bakteriellen Hirnhautentzündung (A-Meningokokken).<BR><BR>In Thailand geht derzeit das Denguefieber um. Allein in der zweiten Maiwoche hat man rund 800 Dengue-Fieber-Fälle registriert, 8000 sind es seit Beginn der Regenzeit. Beim Denguefieber kann es zu tödlichen inneren Blutungen kommen. 16 Thailänder sind bereits gestorben.<BR><BR>Denguefieber auf Insel Phuket</P><P>Die Gesundheitsbehörden dort haben jetzt mehrere tausend Gesundheitshelfer zur gezielten Mückenbekämpfung eingesetzt. Sie beseitigen Mückenbrutstätten, hängen Moskitonetze über Schlafplätze, stellen Moskitofallen auf und beraten die Bevölkerung. Auch die Ferieninsel Phuket ist besonders von dem Fieber betroffen. <BR><BR>Mit hohem Infektionsrisiko ist gerade jetzt während der Regenzeit zu rechnen, die bis August dauert, warnen die Tropenärzte. In Deutschland sind bis Mitte Mai bereits 27 eingeschleppte Fälle nach einem Tropenaufenthalt in Südostasien und der Karibik gemeldet worden. <BR><BR>Dengue-Fieber wird wie Malaria durch Mücken übertragen. Wichtig sind also sorgfältigste Mückenschutzmaßnahmen, wenn man schon ausgerechnet in gefährdete Gebiete reist. Gegen Malaria gibt es zwar Mittel zur Prophylaxe oder Sofortbehandlung, aber die Erreger (Parasiten, die Blutzellen befallen), werden zunehmend unempfindlich. Man muss sich also speziell fürs Reisegebiet tropenmedizinisch beraten lassen.<BR><BR>Ganz gefährlich ist es derzeit in Angola, wo das Marburg-Fieber grassiert. Es ist ebenfalls eine Fieberkrankheit mit inneren Blutungen, die aber noch schneller tötet und schneller um sich greift, als das berüchtigte Ebola-Fieber.<BR><BR>Völlig unterschätzt wird auch die Grippegefahr für Fernreisende, und zwar unabhängig von der Jahreszeit: Immer öfter kommen Touristen mit einer Influenza zurück. Man sollte also unbedingt geimpft sein, raten die Ärzte.<BR><BR>Gefahr droht auch nach wie vor von der Vogelgrippe. Noch ist es vor allem eine Tierseuche, aber sie kann jederzeit umschlagen. Von 100 erkrankten Menschen sind 50 gestorben. "Weg bleiben von Tiermärkten", so der ärztliche Rat. <BR><BR>Nicht von Vögeln, aber von vielen Vierbeinern droht Tollwut: "Wir empfehlen zwar nicht, jeden Reisenden zu impfen, aber den Kontakt mit Hunden, Katzen und Affen zu meiden", so Nikolaus Frühwein von der Bayerischen Gesellschaft für Immun- und Tropenmedizin. In Südamerika wird Tollwut auch von Fledermäusen übertragen. Geimpft sein sollte, wer zum Trekking in Tollwut-Risikogebiete reist oder beruflich mit Tieren zu tun hat. Nach einem Biss kann man noch über einige Tage durch eine Impfung, kombiniert mit einem speziellen Gammaglobulin, das die körpereigene Abwehr ankurbelt, gerettet werden. Das heißt aber für den Gebissenen: ab ins Krankenhaus oder sogar nach Hause.<BR><BR>Neu zugelassen ist ein Cholera-Schluckimpfstoff, der auch einen guten Schutz von Reisedurchfällen durch bestimmte Coli-Bakterien bietet. Doch der beste Schutz gegen alle Darminfektionen ist nicht die Impfung, sondern immer noch die Hygiene: Grundsätzlich darf man in heißen Ländern kein Wasser aus Leitungen oder offenen Behältern trinken.<BR><BR></P>

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