Sexuelle Störungen von Frauen weitgehend unerforscht

- Hamburg - Im Gegensatz zu sexuellen Störungen von Männern sind die von Frauen ein weitgehend unerforschtes Terrain. "Schätzungen zur Häufigkeit sexueller Störungen basieren auf einzelnen klinischen oder Freiwilligen-Studien. Risikoeinschätzungen gibt es überhaupt nicht", kritisierte Professor Irwin Goldstein (Boston University School of Mecicine) am Dienstag in Hamburg. Auf dem 5. Europäischen Kongress über Sexual- und Impotenzforschung stellte er italienische Studien vor. Demnach haben etwa 43 Prozent aller Frauen im Alter von 18 bis 59 Jahren sexuelle Funktionsstörungen.

<P>In den vergangenen Jahren mehren sich nach Angaben der Hamburger Gynäkologin Anneliese Schwenkhagen Hinweise darauf, dass auch bei Frauen ein Mangel an männlichen Hormonen (Androgenen) wie Testosteron zu einer verminderten Libido führe. Hinzu kämen weiteren Beschwerden wie ständige Müdigkeit, Unwohlsein und eine schlechte Lebensqualität. Internationale Studien hätten gezeigt, dass eine AndrogenErsatztherapie in diesen Fällen die sexuellen Funktionen der Frauen zum Teil deutlich verbessern könne. "Doch in Deutschland gibt es dafür noch kein zugelassenes Medikament."</P><P>Goldstein präsentierte eine amerikanischen Erhebung mit Frauen von 18 bis 59 Jahren. Die Forscher diagnostizierten bei 22 Prozent Libidoverlust, bei 14 Prozent Frigidität, bei 7 Prozent Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und bei 21 Prozent Trockenheit der Scheide. Die Ursachen seien nur vage erforscht. Stress und der emotionale Zustand scheinen eine Rolle zu spielen, auch das Rauchen und vor allem die Wechseljahre. Auch Depressionen und die Einnahme von Antidepressiva wirkten sich offenbar dämpfend auf die Libido aus. Krankheitsbedingte Ursachen wie Diabetes, die für Männer entscheidend sei, spielten bei Frauen nur eine untergeordnete Rolle.</P><P>Die italienische Medizinerin Rossella Nappi (Universität Pavia) erklärte, dass eine Ersatztherapie mit weiblichen Hormonen allein nicht reiche. Bei sexuellen Störungen solle auch das Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und Beziehungsaspekten beachtet werden.<BR></P>

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