Ein Sieger über den Atlas und sich selbst

- Zwei Meisterwerke der antiken Kunst werden in der öffentlichen Vorlesungsreihe das Instituts für Klassische Archäologie an der Münchner Uni in diesem Semester noch vorgestellt: Am 27. Janur der Hercules von Farnese, und am 10. Februar der Coloss des Constantin (jeweils um 18 Uhr, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal E 101 am 27. Januar und Hörsaal 201 am 10. Februar).

<P>Der Herakles von Farnese ist eine 3,17 Meter hohe Marmorskulptur, die schon Millionen Besucher aus aller Welt in Neapel, im Museo Nazionale, bewundert haben. Der Herkules ist eine Kopie aus der Römerzeit, angefertigt nach einer Bronzestatue des griechischen Bildhauers Lysipp (ca. 320 v. Chr.).<BR><BR>Die Statue der Römer wurde im Jahr 1546 in den Ruinen der Caracalla-Thermen nahezu unversehrt gefunden. Sie hatte bis zu ihrem Transport nach Neapel im Jahr 1787 im Hof des Palazzo Farnese ihren Platz (daher der spätere Name). Goethe, der während des Abtransports aus Rom gerade in der Stadt war, schrieb am 20. Juni 1787 an Charlotte von Stein: "Es ist eins der vollkommensten Werke alter Zeit".<BR><BR>Die Statue des Herkules war mit einem weniger berühmten, weniger gut erhaltenen anderen Herkules im Hof des Familienpalasts der Farnese in Rom aufgestellt. Eigentlich überließ man damals bedeutende Neufunde dem Vatikan. Die Familie Farnese behielt den Herkules jedoch mit Billigung des Papstes, und zwar über das Pontifikat Pauls III. hinaus.<BR><BR>Der Hof des Palasts des Kardinals Odoardo Farnese war aber einem exklusiven Publikum zugänglich. Dargestellt ist der ruhende Herkules. Er hat die Keule auf einen Erdhügel gestellt, das Löwenfell darüber gebreitet, so daß das Holz der Keule die Achsel nicht verletzt. Das Gewicht des mächtigen Körpers lastet auf der Keule und dem vorgestellten linken Bein. Der linke Arm hängt mit geöffneter Hand herab, Herkules folgt mit dem Blick des gesenkten Hauptes der lässig weisenden Hand. Die Rechte hat er hinter dem Rücken. Der Held hat gerade die Äpfel der Hesperiden gewonnen und ruht sich von dieser Heldentat aus. Die Inschrift auf dem Sockel, "Hercules Victor" (Herkules, der Sieger) wird so interpretiert, dass Herkules nicht nur gerade eben mit Kraft und List über Atlas gesiegt und die goldenen Äpfel erlangt hat. Er ist Sieger über die Laster und damit auch über sich selbst: wie der Besitzer der Statue. </P><P> </P>

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