Silberscheibe wird zum alten Eisen

- Besitzer von CD-Playern sind vermutlich bald schon eine ebenso aussterbende Spezies wie diejenigen, die heute noch einen Kassettenrecorder oder einen Plattenspieler betreiben. Der moderne Musikfan stöbert lieber im Internet statt in langen CD-Regalen diverser Musik-Shops - ein Trend, der die Musikindustrie verzweifeln lässt.

<P>Zwar konnten die großen US-Konzerne in 2004 wieder mehr Musik-CD's unters Volk bringen, doch liegen die Zahlen immer noch himmelweit unter denen von 2001. Schuld an der schwindenden Popularität der Silberscheiben sind aber nicht die schwarzen Schafe, die sich illegal die neuesten Hits aus dem Internet herunter laden, sondern die vielen legalen Musikbörsen im Web und die neuen digitalen Abspielgeräte.<BR><BR>Musikanlage groß wie Zigarettenschachtel<BR>Bei www.apple.com/de/itunes, dem Internet-Musikshop von Apple, stehen 800 000 Musiktitel zum Download bereit, und auch www.musicload.de von T-Online hat von aktuellen Chart-Hits über HipHop bis hin zu Klassik und Jazz alles zu bieten, was der Musikfan begehrt. Der Vorteil der Internet-Musik ist, dass man sich einzelne Titel gezielt auswählen und beliebig zusammenstellen kann, statt wegen eines Songs gleich die ganze CD kaufen zu müssen. Der Download eines Musikstücks kostet im Schnitt etwa 99 Cent, viele Downloads sind sogar kostenlos.<BR><BR>Zum Trend wurde die Internet-Musik aber erst durch die digitalen Player wie den iPod von Apple, denn durch sie wird die Musik-Sammlung mobil. Auf die Speicherkarte eines Musikwinzlings, der nicht viel größer ist als eine Zigarettenschachtel, passen mehrere Stunden Musik und da kann die alte Musik-CD natürlich nicht mithalten. Auch im Wohnzimmer machen sich digitale Player breit. Mit einer Zusatzeinrichtung kann man den mobilen Player mit der Stereoanlage verbinden und dadurch wird das CD-Gerät überflüssig. <BR><BR>Sogar die Mobilfunkbetreiber haben erkannt, dass die Musik aus dem Netz Geld bringt. Chart-Hits als Klingelton werden gegen ordentliche Gebühren eifrig aufs Handy herunter geladen und bei T-Online kann man sogar den Lieblingshit zum Freizeichen seines Handys machen. Das "Sound-Logo" kostet für den Download einmalig 1,99 Euro und nochmal 99 Cent Gebühren im Monat.<BR><BR>Seit vergangenem Jahr bietet O2 Handybesitzern einen Service an, mit dem sie sich von unterwegs aus ihren Lieblingssong per Handy downloaden können. Um diesen Service nutzen zu können, muss man sich jedoch zuerst für 99,95 Euro den Digital Music Player von O2 kaufen, der per Kabel oder Infrarotschnittstelle mit dem Handy verbunden wird. Damit funktioniert das Handy wie ein Modem und man hat die Wahl unter 100 000 Musik-Titeln.<BR><BR>Vor dem Download, der pro Song 99 Cent kostet, kann man per Kopfhörer in die einzelnen Musiktitel reinhören. Auf die mitgelieferte Speicherkarte des Digital Music Players von O2 passen 60 Songs, mit einer Speichererweiterung haben 250 Musiktitel Platz.<BR><BR>Glatt verschlafen haben den Vertriebstrend die großen Musikkonzerne. Als sie nach der CeBIT 2004 den Start ihrer gemeinsamen Online-Plattform mit rund 250 000 Musiktiteln (www.phonoline.de) verkündeten, hatten sich andere Shops längst etabliert. Folge: Im September 2004 wurde Phonoline mangels Resonanz eingestellt . . .<BR></P>

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