Singen zur Selbstfindung

- In unserer Serie stellen wir die akademischen Orchester und Chöre Münchens vor. Sie geben Studierenden die Möglichkeit, sich neben ihrem Studium mit Musik zu beschäftigen und Konzerte vor Publikum zu geben. In der dritten Folge beleuchten wir das musikalische Leben des Universitäts-Chores.

<P>"Studenten brauchen die Musik, um zu sich selbst zu finden", erklärt Universitätsmusikdirektor Hans Rudolf Zöbeley, der seit über 30 Jahren den Universitäts-Chor leitet. Beim Erarbeiten von Chorwerken würden von den Sängern handwerkliche wie auch musikalisch-geistige Fähigkeiten gefordert und gefördert, ist der Dirigent überzeugt.<BR>Dieses Anliegen ist Zöbeley so wichtig, dass er bereits seit 1969 jedes Semester aufs Neue eine Gruppe von sangesfreudigen Studenten darauf vorbereitet, nach rund einem halben Jahr Probenarbeit ein öffentliches Konzert zu geben. Begleitet wird der Chor bei seinen Auftritten von wechselnden Orchester-Ensembles.</P><P>Über 150 Hochschüler - zum großen Teil Studierende der beiden Münchner Universitäten und einige von der Fachhochschule - gehören dem Chor an.</P><P>Da die meisten von ihnen nicht viel länger als zwei Semester mitsingen, die Besetzung also laufend wechselt, hat der Chor kein Repertoir sondern muss sich alle Werke neu erarbeiten. Genau darin liegt für Zöbeley der Reiz seiner Chorarbeit: "Was mich immer fasziniert hat, ist, an den Ursprung der Dinge zurückzugehen, ein Werk von Grund auf zu erarbeiten."</P><P>Gegründet wurde der Unichor 1950, als damals 45 Stimmen starker A-capella-Chor mit Studenten, zu denen auch der spätere LMU-Rektor Wulf Steinmann gehörte, berichtet Zöbeley aus der Geschichte des Vokalensembles.<BR>Musikalisch setzt der Dirigent vor allem auf eher unbekannte Werke: "An Nischenwerken kann man das Besondere des Musikalischen sehr gut erarbeiten. Gerade unerfahrene Chorsänger greifen das gerne auf und arbeiten beim Interpretieren der Stücke mit", erzählt er.</P><P>Die Begeisterung seiner singenden Studenten teilen jedoch leider nicht alle im akademischen Umfeld des Chores, bedauert Zöbeley: "Teilweise wurde mir wortwörtlich gesagt: ,Wir brauchen keine Musik an der Universität.' " Mit Ausnahme des Etats, mit dem Ludwig-Maximilians-Universität und Technische Universität den Sängern finanziell unter die Arme greifen, habe der Chor von Seiten der Universitätsleitung meist kaum Unterstützung erfahren. "Auch um den Etat muss man jedes Jahr aufs Neue kämpfen", berichtet der Universitätsmusikdirektor. </P><P>Neben den wöchentlichen Proben gehören zum Chorleben auch zwei bis drei Probenwochenenden innerhalb und außerhalb Münchens, bei denen sich die Sänger intensiv auf die Konzerte vorbereiten. Auch Auslandsreisen durfte der Chor schon erleben. Im Juli waren die akademischen Sänger der Universität Bologna in München zu Gast. Für Mai 2003 plant der Universitäts-Chor seinen Gegenbesuch in Italien.</P><P>Wer im Chor mitsingen möchte, muss zunächst in der ersten Probe des neuen Semesters am 15. Oktober mitproben und das Geübte danach dem Dirigenten Hans Rudolf Zöbeley vorsingen. Außerdem müssen die Sänger regelmäßig zu allen Proben erscheinen. </P><P>Nur noch zu Anfang des kommenden Semester wird Zöbeley den Universitäts-Chor führen, bevor der 71-Jährige einem Nachfolger Platz machen will: "Da muss ein hochqualifizierter Junger her!" Nach dem wird derzeit noch gesucht.<BR></P>

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