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US-Journalist in München

Buch über NSA: „Snowden ist ein glücklicher Mensch“

München - "Snowden ist ein glücklicher Mensch": Der US-Journalist Glenn Greenwald stellt in München sein Buch über das weltweite NSA-Überwachungsprogramm vor.

Facebook, sagt Glenn Greenwald, würde er heute nicht einmal mehr seinen Hunden zumuten. Vor ein paar Jahren hatte er auf Drängen seines Verlegers eine Facebook-Seite eingerichtet und dort ein paar Fotos von seinen Hunden hochgeladen. „Ich entschuldige mich bei ihnen, dass ich ihre Privatsphäre aufs Spiel gesetzt habe“, sagt Greenwald augenzwinkernd. Heute weiß er, was mit den Daten passiert, denn Greenwald ist der US-Journalist, an den sich Edward Snowden wandte, als er sein Wissen über das geheime weltweite Überwachungsprogramm des amerikanischen Geheimdienstes NSA preisgeben wollte.

Der Autor und Journalist Glenn Greenwald hat Edward Snowden vor wenigen Tagen besucht: „Er hat sich fast nicht verändert.“

Am Freitag im Münchner Literaturhaus erzählt Greenwald, wie er mit Snowden in Kontakt kam und was er seitdem erfahren hat. Der Journalist hat darüber das Buch „Die globale Überwachung“ (Original: „No place to hide“) geschrieben. Es liest sich stellenweise spannend wie ein Krimi. Er erzählt, wie Snowden versuchte, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Wie er ihn überzeugen wollte, Verschlüsselungstechniken zu benutzen. Wie er ihm ein mit Computerstimme verzerrtes Video mit genauen Anweisungen schickte. Eine Anleitung „Verschlüsselung für Idioten“, sei das gewesen, sagt Greenwald. Schließlich dann das konspirative Treffen in Hongkong. Fast genau ein Jahr ist das jetzt her.

Rund 400 Menschen sind nicht nur wegen des Buches gekommen, sondern auch um zu erfahren, wie es Snowden heute geht. Vor wenigen Tagen hat er ihn in seinem Exil in Moskau besucht. „Er hat sich fast nicht verändert“, sagt Greenwald. Er sei völlig mit sich im Reinen: „Die Debatte, die jetzt in Dutzenden Ländern geführt wird, ist besser als wir je gehofft hätten“, sagt Greenwald. „Von allen Menschen, die ich kenne, ist er einer der glücklichsten, wenn nicht der glücklichste.“ Er könne sich relativ frei in Moskau bewegen. „Er führt kein normales Leben – aber fast.“

Ob Snowden für immer in Russland bleiben wird, will Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit-Online“ und Moderator des Abends, wissen. „Das hängt von Ihrem Land ab“, sagt Greenwald. Er sieht Länder wie Deutschland oder Brasilien in der Pflicht, über Asyl für Snowden nachzudenken. Ob er Snowden empfehlen würde in Deutschland vor einem Untersuchungsausschuss auszusagen, will ein Zuhörer wissen. „Wenn ich er wäre, wäre ich zurückhaltend, einem Staat zu helfen, der nicht einmal bereit ist, meine Menschenrechte zu schützen“, sagt Greenwald. Ob Snowden in Deutschland sicher wäre? „Mir sagen immer wieder Menschen, dass er in Russland sicherer sei.“

Auch auf Kritik an Snowdens Enthüllungen geht Greenwald ein. „Snowden hätte die NSA zerstören können, wenn er alle Dokumente einfach hochgeladen hätte“, sagt Greenwald. Er tat es nicht, sondern beauftragte Journalisten, sie zu sichten und nur das zu veröffentlichen, was keine Menschenleben gefährdet.

Die Enthüllungen über die globale Überwachung seien „die wichtigste Geschichte dieser Generation“, ist sich Greenwald sicher. „Es geht um die komplette Abschaffung jegliche Privatsphäre.“

Das Buch

„Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ von Glenn Greenwald ist im Droemer-Verlag erschienen, hat 368 Seiten und kostet 19,99 Euro.

Philipp Vetter

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