Soziale Netzwerke können Freundschaften bereichern

Berlin - Virtuelle soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ können nach Ansicht des Berliner Jugendforschers Klaus Hurrelmann Freundschaften bereichern.

Entgegen vieler Vorurteile von Eltern und Pädagogen böten sie für die große Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen Möglichkeiten für soziale Kontakte, die es früher so nicht gegeben habe, sagte Hurrelmann im dapd-Gespräch. Nur bei einer Minderheit von etwa 20 bis 25 Prozent der jungen Leute litten persönliche Freundschaften unter den virtuellen Beziehungen. “Die sozialen Netzwerke ziehen natürlich auch diejenigen magisch an, die soziale Kontaktprobleme haben“, erklärte er. “Da lassen sich Ursache und Wirkung nicht auseinanderhalten.“

Mediale Netzwerke für sich persönlich gewinnbringend zu nutzen, hänge davon ab, wie kompetent jemand in anderen Bereichen sei, welche sozialen Fähigkeiten er besitze, erläuterte Hurrelmann. Seien diese normal ausgeprägt, könne der Nutzer von den neuen Möglichkeiten profitieren. Der Begriff Freundschaft lasse sich enorm erweitern und erhalte eine neue Facette, “der Kern der persönlichen Freundschaft aber bleibt unverändert“.

Es gebe aber eine Gruppe junger Leute, die extrem viel Zeit am Computer verbringe, sagte Hurrelmann und bezog sich dabei auf die von ihm herausgegebene World-Vision-Kinderstudie, die im Sommer veröffentlicht worden war. Diesen sogenannten Medien-Kids, einem knappen Viertel der Kinder, fehle die Zeit für persönliche Kontakte. Für sie gelte: “Je mehr Netzwerk-Freunde, desto kleiner und verarmter der persönliche Freundeskreis. Einige dieser Kinder sind richtig isoliert.“

Kinder in sozialen Netzwerken: 10 Tipps für Eltern

Kinder in sozialen Netzwerken: 10 Tipps für Eltern

Diese Kinder und Jugendlichen verlören mit der Zeit die Fähigkeit, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, erklärte der Sozialwissenschaftler. Denn beim direkten Kontakt seien im Vergleich zu virtuellen Freundschaften weit mehr Sinne beteiligt - allein schon das Sehen und das Hören. Medien-Kids könnten damit nur schwer umgehen, sie hätten nicht die Fähigkeit, Konflikts, Enttäuschungen und Zurücksetzungen auszuhalten, die zu einer echten Freundschaft dazu gehören.

Das Problem liege allerdings nicht bei den neuen Medien, die seien eher ein Symptom für die Kontaktprobleme, betonte Hurrelmann. Es sei eher so, dass Kinder und Jugendliche, die ohnehin Probleme mit sozialen Beziehungen hätten, durch die Netzwerke einen neuen Kanal gefunden hätten, um sich und andere davon abzulenken. “Früher fiel jemand in der Gruppe auf, der sozial gestört war.“ Heute habe man in den virtuellen Netzwerken neue Möglichkeiten, bestehende Blockaden zu überspielen. Dies könne unter Umständen sogar eine therapeutische Wirkung haben, sagte der Jugendforscher.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

"Life is strange" kommt auf iPad und iPhone
Was ist passiert? In "Life is strange" sammelt die junge Max Spuren auf der Suche nach einer verschwundenen Schulfreundin. Das Episoden-Abenteuer gibt es nun auch für …
"Life is strange" kommt auf iPad und iPhone
Spiele-Charts: Von digitalen Wimmelbildern und Highscores
Auf die Suche, fertig, los: Auf dem iPad wird gerade gesucht und gesucht. Denn das Wimmelbildspiel "Hidden Folks" verzaubert Spieler mit seinen Schwarzweiss-Zeichnungen. …
Spiele-Charts: Von digitalen Wimmelbildern und Highscores
Apps-Charts: Festliche Fotografien und Bewegtbilder
Die Adventszeit ist die Zeit der festlichen Momente und besonderen Augenblicke, die man gerne auf Fotos festhält. Auch in den App-Charts macht sich das bemerkbar. So ist …
Apps-Charts: Festliche Fotografien und Bewegtbilder
Rime für Switch im Test: Knobeliger Urlaubstrip
Ein gutes halbes Jahr nach den Varianten für PC, XBox und Playstation kommt das Rätsel-Adventure Rime nun auch auf der Nintendo Switch an. Und sorgt prompt für gute …
Rime für Switch im Test: Knobeliger Urlaubstrip

Kommentare