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Was die Userzahlen angeht, standen in Deutschland soziale Netzwerke wie studiVZ oder Lokalisten einst deutlich über Facebook. Mittlerweile hat sich die Situation komplett verändert.

Soziale Netzwerke im Schatten von Facebook

Was ist aus studiVZ und Lokalisten geworden?

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München - Kennen Sie die noch? Soziale Netzwerke wie studiVZ oder Lokalisten wurden einst von Millionen Deutschen genutzt. Mit dem Aufstieg von Facebook ging es für sie bergab. Eine Bestandsaufnahme.

Ja, es gibt sie noch, die kleinen gallischen Dörfer, die der schier erdrückenden Übermacht Roms Widerstand leisten. Zumindest in der Welt der sozialen Netzwerke. Im großen Schatten von Facebook und Twitter existieren deutsche Webseiten, die sich nach wie vor am Leben halten können. Auch wenn sie längst nicht mehr die Reichweite von vor ein paar Jahren haben. Ein Beispiel dafür ist die Seite Lokalisten.de. "Es gibt noch Nischenanbieter", berichtet ein Lokalisten-Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Und dazu zählt eben auch lokalisten.de. "Im Großraum München besteht eine relativ starke regionale Community", so der Sprecher weiter.

Lokalisten.de: "Wir haben in der Nische noch Platz"

Verglichen mit den Userzahlen von vor wenigen Jahren ist diese Aussage in der Tat nur relativ zu sehen. Gegründet wurde das soziale Netzwerk im Mai 2005. 3,6 Millionen Mitglieder zählte es im Mai 2010, einen Rekordwert erreichte es im Oktober 2009 mit 43,2 Millionen Visits. Lediglich 1,2 Millionen Visits sind davon im März 2015 noch übrig (Quelle: ivw). Die Webseite gehört zur ProSiebenSat.1 Media AG in Unterföhring. Grund für die Betreiber, das Netzwerk vom Schirm zu nehmen, gibt es bislang noch nicht. "Wir haben in der Nische noch Platz. Wie lange noch, kann man nicht sagen", so der Lokalisten-Sprecher. "Wir werden das Netzwerk weiter betreiben. Für uns ist die derzeitige Reichweite okay." Aktive Mitglieder seien tendenziell junge Erwachsene, "ich schätze, im Durchschnitt jünger als Facebook-User".

Vor allem in der bayerischen Landeshauptstadt laufe Lokalisten.de noch ordentlich. "Lokalisten kommt komplett aus München und ist da groß geworden." Traditionell sei das Netzwerk in Großstädten stark gewesen. Außer aus München kämen Mitglieder zum Beispiel aus Hamburg, Berlin oder Augsburg. Die Userbasis spricht derzeit also noch gegen eine Schließung des sozialen Netzwerks. "Die Realität spricht da eine klare Sprache", stellt der Pressesprecher fest. "RTL hat da einen anderen Schluss gezogen und werkenntwen abgeschaltet." 

werkenntwen: Einst Millionen von Usern, mittlerweile Geschichte

werkenntwen ist ein weiteres soziales Netzwerk, das den Überlebenskampf aber schon längst verloren hat. Im Februar 2012 verzeichnete das Portal 9,6 Millionen User. Mit 63 Millionen Unique Visits war die Webseite damals unter den zehn beliebtesten deutschsprachigen Internetseiten. Mittlerweile stößt man unter www.wer-kennt-wen.de jedoch nur noch auf folgendes: "Das soziale Netzwerk werkenntwen hat seine Geschäftstätigkeit beendet und ist seit dem 2. Juni 2014 nicht mehr online." Punkt. Aus. Vorbei.

Gegründet wurde das Netzwerk 2006 von zwei Computervisualistik-Studenten der Universität Koblenz, die lediglich vorhatten, Kontakte zu ihren Bekannten zu pflegen. Das Projekt ging durch die Decke – um ein paar Jahre später durch den Aufstieg von Facebook gnadenlos abzusacken. Im September 2010 verließen die beiden Gründer das Unternehmen, im Oktober 2013 verzeichnete werkenntwen nur noch 23 Millionen Visits: Das Ende zeichnete sich ab. RTL interactive, das die Seite 2009 zu 100 Prozent übernommen hatte, kündigte Ende März 2014 an, sich von der Webseite zu trennen. Mögliche Investoren, die sie noch hätten retten können, wurden nicht gefunden. 40 Mitarbeiter waren betroffen.

VZ-Netzwerke: Zwei Drittel sind noch aktiv

17 Millionen User hatten die drei VZ-Netzwerke studiVZ (für Studenten), schülerVZ (Schüler ab  zehn Jahren) und meinVZ (alle Altersgruppen) einmal zusammengerechnet. Das war im Juli 2010. Rund zwei Jahre später waren es nur noch 2,8 Millionen. Im April 2013 wurde schülerVZ geschlossen. Die beiden anderen Netzwerke, studiVZ und meinVZ, existieren im großen Schatten von Facebook, Twitter oder Instagram aber immer noch. Von 2007 bis 2012 gehörte das zwischenzeitlich aus 300 Mitarbeitern bestehende Unternehmen zum Holtzbrinck-Verlag, danach firmierte es zu poolworks (Germany) Ltd. um.

Im November vergangenen Jahres veröffentliche meedia.de die Top 20 der sozialen Netzwerke in Deutschland. meinVZ landete darin gerade noch auf Platz 20. Im September 2014 verzeichnete das Netzwerk nur noch 1,15 Millionen Visits – 1,62 Millionen weniger als noch zwölf Monate zuvor. Für studiVZ reichten die Besucherzahlen schon gar nicht mehr für das Ranking. Auch die Beliebtheit anderer deutscher Chats und Kontaktbörsen wie stayfriends.de, jappy.de oder spin.de hatte deutlich abgenommen. Trotz deutlicher Verluste lag Facebook im September klar auf Rang eins (541 Millionen Visits), vor Twitter, Google Plus, Tumblr und Instagram.

Markus Schwarzkugler

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