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Soziale Netzwerke wissen so viel über ihre Nutzer und können sie dennoch nicht immer richtig einschätzen.

Gruselig und irritierend zugleich

Was Facebook über uns weiß - und wo es sich irrt

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München - Heute schon auf Facebook gewesen und die neuesten Werbebanner durchgescrollt? Ist es nicht komisch Werbung zu bekommen, die einen überhaupt nicht betrifft und das obwohl Facebook mittlerweile so viel über uns weiß?

Die neuen Regelungen von Facebook haben mal wieder einen Aufschrei in der Netzwelt hervor gerufen, doch dass Werbung auf den Nutzer persönlich zugeschnitten wird, ist eigentlich nichts Neues. Kurios wird es dann jedoch, wenn man plötzlich Werbung für eine Schwertkampfschule bekommt, obwohl man keinerlei offensichtliche Verbindung dafür erkennen kann.

Facebook schafft seit Längerem bereits Abhilfe gegen diese Unwissenheit. Auf dem nach unten gedeuteten Pfeil der Werbeanzeige kann man auf die Option „Warum wird mir das angezeigt?“ klicken und siehe da, Facebook erklärt einem die Verbindung zum eigenen Profil:

„Diese Werbeanzeige wird dir unter anderem angezeigt, weil Gladiatores München - Die Schwertkampfschule Personen im Alter von 16 Jahren und älter erreichen möchte, die aus der Nähe von München, Bayern sind. Das basiert z.B. auf deinen Facebook-Profilinformationen und deiner Internetverbindung.“ So ist das also.

Massenhafte Datenspeicherung und trotzdem nicht allwissend

Im gleichen Atemzug kann man auch seine „Einstellungen für Werbeanzeigen verwalten“. Oder für alle, die das zum ersten Mal machen, erst einmal einsehen was Facebook über mich zu wissen scheint. Zur Übersichtlichkeit ist alles in verschiedene Kategorien wie „Lifestyle und Kultur“ oder „Technologie“ unterteilt. Facebook merkt sich hier in den verschiedenen Kategorien was man mit „Gefällt mir“ markiert hat, egal ob es Seiten oder Posts waren. Dadurch bildet sich Facebook einen Eindruck von dem Nutzer und zeigt unter anderem auch Werbung, die in das gezeichnete Profil des Nutzers passen sollte. Doch die Welt ist nicht perfekt, so auch Facebook nicht. Nicht immer entspricht das gezeichnete Profil auch dem wahren Nutzer und seinen Interessen, somit kommt es oftmals zu „unpassenden“ Werbeanzeigen.

Wer wissen möchte welches Profil, auf Grund der gegebenen Informationen, von ihm gezeichnet wird, kann das mit Hilfe dess Prognose-Tools „Apply Magic Sauce“ ausprobieren. Das Programm wurde von der Cambridge-Universität entwickelt, erfordert jedoch ein gewisses Maß an Facebook-Aktivität.

Selbsttest zeigt Lücken auf

Der Chief-Editor der Webseite motherboard.vice.com Markus Lust, hat mit dem Prognose-Tool den Selbsttest gemacht. Einige Ergebnisse ergeben durchaus Sinn, doch in vielen Sparten wird es auch ein wenig merkwürdig. So im Bereich „Beziehung“: Trotz des Status` in seinem Profil „in einer Beziehung“, ist er laut Auswertung zur Hälfte in keiner Beziehung, zu rund einem Achtel ist er verheiratet und der Rest von ihm ist in einer Beziehung. Eine eindeutige Aussage scheint es hier nicht zu geben.

Zudem errechnet das Tool bei ihm 3% schwul zu sein. Was genau das bedeutet? Man weiß es nicht so genau, allerdings könnte das erklären wie es zu manch falschen Einschätzungen der sozialen Netzwerke kommt. Zusammenfassend formuliert er es auf der Webseite motherboard.vice.com ironisch: „Das „Magic-Sauce“-Tool hat eindeutig meinen Traum durchschaut: irgendwann als bloggender Tierpsychiater und Wall Street-Aussteiger auf einem selbstgebauten Dampfer zur Art Basel in Miami reisen.“

Beim Alter trifft das Tool zwar nicht exakt die richtige Zahl, doch immerhin keine große Verfehlung. Statt in Wirklichkeit 32, ist Selbsttester Markus Lust junge 27 Jahre alt. Doch wer wird nicht gerne ein wenig jünger geschätzt?

Ein Sieg über die Datenhortung

Das Prognose-Tool „Apply Magic Sauce“ ist ein Beispiel von Profilzeichnungen in sozialen Netzwerken. Es zeigt, dass es trotz massenhafter Daten nicht immer gelingt ein genaues und vor allem richtiges Bild des realen Nutzers zu erstellen. Es ist gruselig wie viel die sozialen Netzwerke über uns wissen und doch ist es auch irritierend, dass es trotzdem nicht immer möglich ist, den Nutzer richtig einzuschätzen und wir Werbung bekommen, die uns nicht im Geringsten betrifft. Aber fluchen wir nicht über unnütze Werbung, sondern sehen es lieber als eine Art Sieg über die Datenspeicherung sozialer Netzwerke und deren dennoch nicht immer richtige Profil-Einschätzungen der Nutzer.

mt

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