Speiseplan nach Gencode

- Noch ist es Zukunftsmusik, doch schon in zwei oder drei Jahrzehnten könnte es für jeden Menschen individuelle Speisepläne geben, deren Grundlage seine genetische Veranlagung ist. Allgemein gültige Ratschläge, ob ein Nahrungsmittel gesund oder ungesund ist, werde es dann nicht mehr geben, sind so manche Genforscher und Ernährungswissenschaftler überzeugt. Die Erbanlagen des Menschen hätten entscheidenden Einfluss darauf, welche Lebensmittel er vertrage und welche nicht, erklärten Experten beim 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM). Entscheidend für die Entstehung oder Vermeidung vieler Krankheiten sei schließlich das Zusammenspiel aus Ererbtem und Umwelteinflüssen, wie etwa der Nahrung.

<P>"Beim Arzt oder Ernährungsberater könnte es bald heißen: Zeigen Sie mir mal Ihr genetisches Profil, dann sage ich Ihnen, welche Diät Sie einhalten sollten", veranschaulichte der Braunschweiger Biotechnologe Rudi Balling. <BR><BR>Derzeit empfehlen viele Ernährungsberater, sich salzarm zu ernähren. "Dabei profitiert gut die Hälfte der Bevölkerung gar nicht davon, wenn sie weniger Salz zu sich nimmt", betonte die Weihenstephaner Lehrstuhlinhaberin für Ernährungsphysiologie Prof. Hannelore Daniel. Denn nicht jeder entwickle etwa aufgrund salzreicher Ernährung einen erhöhten Blutdruck. </P><P>Nicht jeder ist "salz-sensitiv" <BR><BR>Künftig, so stellt sich Daniel vor, müssten Menschen, die nicht "salz-sensitiv" sind, nicht mehr auf diesen Speisezusatz verzichten. Um dem Einzelnen ganz persönliche Empfehlungen für eine gesunde Ernährung geben zu können, müssten die Forscher aber wissen, ob seine genetische Veranlagung die Entstehung bestimmter Krankheiten begünstigt. Und hier stehe die Forschung noch am Anfang. "Derzeit können wir die Komplexität des menschlichen Genoms nur ansatzweise begreifen", dämpfte Balling allzu hohe Erwartungen. Die Funktionsanalyse der meisten Gene stehe schließlich noch aus. "Die Anfänge sind jedoch längst gemacht", sagte Daniel. In den Vereinigten Staaten gebe es bereits Firmen, denen man sein Erbmaterial zur Auswertung schicken kann. Das Unternehmen analysiere dann bestimmte Gene und ermittle, ob der Kunde beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Kreislauferkrankungen hat, oder wie schnell sein Körper Alkohol abbaut.<BR><BR>Nach den Ergebnissen der Genanalyse erhalte der Einsender dann gezielte Ernährungs-Tipps, um sein Risiko positiv zu beeinflussen. <BR><BR>Die Aussagekraft derartiger Verfahren sei heute jedoch begrenzt, gab Daniel zu bedenken: "Denn eine Gen-Analyse aufgrund unseres heutigen Wissensstandes ist nicht umfassend genug."<BR><BR>In der Zukunft werde man jedoch die Neigung eines Menschen etwa zu Fettsucht und bestimmten Krebsarten feststellen und ihm konkrete Ernährungsempfehlungen geben können. </P><P>Auf ihrer Homepage -  www.dge.de - informiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung über gesundes Essen und Trinken. In einer Datenbank lassen sich nach Stichworten neue Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung finden. Für Schwangere, Senioren, Sportler und Jugendliche werden jeweils spezielle Vorschläge geboten. Außerdem können die Verbraucher Broschüren mit Ernährungstipps bestellen. <BR></P>

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