Spezialist bezweifelt "Pannen"-Version bei Bundeswehrdaten

Hamburg - Nach dem Verschwinden großer Mengen hoch sensibler Daten bei der Bundeswehr hat ein Datensicherungs-Profi bezweifelt, dass es sich dabei um eine "technische Panne" gehandelt haben könnte.

"Dass von Hunderten von Bändern alle Daten komplett verloren sein sollen, das kann gar nicht sein", sagte Peter Böhret, Europa-Chef des Datensicherungs-Unternehmens Kroll Ontrack am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Selbst von beschädigten Bändern ließen sich mit Hilfe spezieller technischer Ausrüstung in aller Regel 80 Prozent der Daten problemlos sichern, so Böhret.

Lediglich mit einem starken Magneten könnten Daten unter Umständen unwiederbringlich gelöscht werden, sagte Böhret. "So etwas geschieht aber in der Regel willentlich." Bei der in Frage stehenden Menge an Daten bezweifle er auch, dass sie komplett überschrieben wurden. Überhaupt würde bei so hochsensiblen Daten jedes Industrieunternehmen mindestens eine zweite Sicherungskopie anfertigen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen Geheimberichte über Auslandseinsätze aus den Jahren 1999 bis 2003 auf Grund von "technischen Probleme" vernichtet worden sein. Die verlorenen Daten betrafen unter anderem auch den Fall des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz.

Die Firma Kroll Ontrack mit Deutschland-Sitz in Böblingen ist auf Datenrettung spezialisiert. Zu den Kunden gehören nach Angaben von Böhret Industrie-Unternehmen, Stadtverwaltungen und Polizeibehörden.

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