Das Spielzimmer hinter der Uni

München - Studieren und sich gleichzeitig um den eigenen Nachwuchs kümmern - keine leichte Aufgabe für junge Eltern. In den 14 Kinderkrippen des Münchner Studentenwerks mit insgesamt 202 Plätzen können Mamas und Papas ihre Kinder während der Vorlesungszeit betreuen lassen. Jetzt sind direkt hinter dem Hauptgebäude der LMU an der Amalienstraße die "Campuskinder" eingezogen. Erstmals können Studierende ihr Kind hier stundenweise in Obhut geben.

Philip war der erste an der Amalienstraße 83, gewissermaßen das "Ur-Campuskind". Schon gut zehn Mal hat Psychologie-Studentin Iris S. ihren 16 Monate alten Sohn seit Beginn des Semesters Erzieherin Margit Söllinger und ihrem Team anvertraut. Immer wenn sie Semniare besucht oder in die Bibliothek muss.

Stundenweise, wenn nötig sogar spontan ohne Anmeldung, können Studierende oder Mitarbeiter der Ludwig-Maximilians-Universität ihre Sprösslinge bei den Campuskindern abgeben. "Die Nachfrage nach Teilzeitbetreuung ist sehr groß", erklärt Sozialpädagogin Beate Mittring vom Studentenwerk zum Konzept der Campuskinder.

Für Mütter wie Iris S. hat es gegenüber einer gewöhnlichen Krippe mit festen Gruppen klare Vorteile. Die 29-Jährige ist dieses Semester an der Uni beurlaubt und studiert in Teilzeit - eine Möglichkeit, die das Hochschulgesetz Studierenden mit Kind einräumt.

"Wir wohnen in Landsberg am Lech", erklärt S.. "Wenn Philip einen festen Krippenplatz hätte, müsste ich ja jeden Tag nach München fahren, auch wenn ich gar keine Uni habe." Bevor es die Campuskinder gab, konnte ihr Mann den Sohn tagsüber betreuen, weil er zuhause arbeitete. "Doch das war jetzt nicht mehr möglich", so S..

Noch ist es in der Tagesstätte, die bis zu zehn Kinder gleichzeitig aufnehmen kann, eher ruhig. Teilweise ist Philip auch das einzige Campuskind. "Langsam spricht es sich aber herum, dass es die Campuskinder gibt, und es rufen auch immer mehr Uni-Mitarbeiter an", sagt Söllinger.

Auf 142 Quadratmetern können die Kinder von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12.30 und zwischen 13 und 17 Uhr spielen. Betreut werden sie von einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einer Praktikantin. Berechnet wird die Betreuung stundenweise: Uni-Angestellte zahlen 5,50 Euro, Studierende nur 4,50 Euro.

Weil das Konzept der Campuskinder betont flexibel ist, kann es sein, dass Philip jeden Tag andere Spielkameraden hat. Doch damit kämen die Kleinen gut klar, versichert Erzieherin Söllinger. "Wir achten auf einen regelmäßigen Tagesablauf mit Ritualen, dann fühlen sich die Kinder geborgen."

Bald könnte zum Tagesablauf bei den Campuskindern auch das Spielen im Freien gehören. Im Salinenhof der Universität, gleich hinter dem Historicum, soll für sie ein kleiner Garten eingerichtet werden.

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