Die Sprache der Düfte

- "Eine Macht, die stärker war als die Macht des Geldes oder die Macht des Todes." Das schreibt Patrick Süskind über die Fähigkeit seines Romanhelden Jean-Baptiste Grenouille, der mit Düften die Menschen manipuliert. Jetzt ist die Verfilmung des Buchs in den Kinos.

Die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Silke Steinbach vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München gibt Auskunft, wie groß der Einfluss der Düfte wirklich ist, warum wir uns an Gerüche aus der Kindheit erinnern können und wie weit unser Geruchssinn trainierbar ist.

Im Film "Das Parfum" versetzen Düfte die Menschen in Hypnose. Wie groß ist die Macht der Gerüche wirklich?

Steinbach: Für den Menschen ist die Fähigkeit zu riechen elementar. Wir können bis zu 10 000 unterschiedliche Düfte erkennen. Der Geruchssinn ist wichtig bei der Nahrungsaufnahme, bei der Partnersuche oder bei der Hygiene. Ich behandle Menschen, die den Geruchssinn verloren haben. Das mindert die Lebensqualität schon erheblich.

Gibt es den perfekten Duft, der Frauen und Männern völlig um den Verstand bringt?

Steinbach: Ich glaube nicht. Aber es gibt chemische Signale wie Pheromone. Lebewesen, zum Beispiel viele Insekten, verständigen sich durch sie. Pheromone sind nicht nur Sexuallockstoffe. Tiere markieren den Weg mit ihnen oder schlagen Alarm. Auch bei uns Menschen gibt es solche Gerüche, die bestimmte Signale senden: Sie zeigen im Unterbewusstsein, wer zu wem passt und wer mit wem gesunde Kinder zeugen kann.

Die Redewendung, dass man jemanden nicht riechen kann, ist also wörtlich zu nehmen?

Steinbach: Ja, der Geruch eines potenziellen Partners gibt zum Beispiel Auskunft über dessen Immunsystem. Bei der Partnerwahl steuert man immer diejenigen Menschen an, deren Immunsystem sich von dem eigenen am meisten unterscheidet. Das ist für die Nachkommen günstig.

Kann man den Geruchssinn trainieren?

Steinbach: Ja. Vor zwei Jahren gab es zum Beispiel eine Untersuchung, die bewiesen hat, dass Mitarbeiter von Parfümerien Düfte besser unterscheiden können als andere Angestellte.

Wir verbinden Düfte oft mit bestimmten Erlebnissen. Warum lassen Düfte unsere Erinnerungen aufleben?

Steinbach: Im Gehirn ist der Weg vom Geruchszentrum bis zu der Region, in der Gefühle verarbeitet werden, sehr kurz. Riechinformationen werden gleich in das sogenannte limbische System und den Hypothalamus übertragen. Diese Gehirn-Strukturen sind für das Gedächtnis und für Gefühle zuständig. Das Großhirn hat keine Chance einzugreifen. Das verleiht den Gerüchen eine  immense Macht.

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