Spray ersetzt Spritze

- Keine Nadeln, kein Schmerz, nur ein paar tiefe, ruhige Atemzüge: So kann die Diabetes-Therapie von morgen aussehen. "In Zukunft werden Zuckerkranke Insulin inhalieren", sagt der Direktor des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts in Düsseldorf, Michael Scherbaum.

<P>Das Insulin-Spray, das große Pharmafirmen derzeit in klinischen Studien testen, werde die Diabetes-Behandlung grundlegend verändern. Die Wissenschaft wäre damit endlich an einem Ziel angelangt, von dem Forscher schon bei der Entdeckung des Blutzucker regulierenden Hormons vor rund 80 Jahren träumten.<BR><BR>Vier bis sechs mal am Tag Insulin einzuatmen statt zu spritzen, darauf hofft auch Waltraud Wiegandinski. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Patientenvereinigung Deutscher Diabetiker Bund.  Bis Diabetiker auf Insulin-Spritzen verzichten können, wird noch einige Zeit vergehen. "Wir streben die Markteinführung innerhalb von vier Jahren an", meint Markus Leyck Dieken optimistisch. Er ist Medizinischer Direktor im Mainzer Haus des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk. <BR><BR>Lutz Hellwig, Manager bei Aventis Pharma Deutschland, betont: "Die Kunst besteht darin, Insulin in der richtigen Form in die Lunge zu bringen. Die Insulin-Partikel müssen die geeignete Größe haben und ausreichend stabil sein."<BR><BR> Die Entwicklung eines Inhalations-Apparates war ebenfalls schwierig. "Das Insulin-Spray ist nicht zu vergleichen mit Asthma-Mitteln, die in den Bronchien wirken", erläutert Leyck Dieken, "es muss bis in die hintersten, feinen Lungenbläschen vordringen." Ein kleiner Computer sorge dafür, dass der Körper nur die benötigte Menge bekommt. "Wie die Lunge langfristig auf das Insulin reagiert, das steht im Mittelpunkt der derzeitigen klinischen Studien", sagt Bernd Kuglin. Er ist Geschäftsführer des Profil Instituts für Stoffwechselforschung in Neuss, das im Auftrag der pharmazeutischen Industrie die neue Methode testet.<BR><BR>Geklärt werden soll auch, wie sich die Insulinaufnahme bei Rauchern verändert oder bei Diabetikern mit chronischen Lungenerkrankungen. Außerdem noch zu klären: ob die Tumorbildung durch Insulin in der Lunge gefördert wird. "Von inhalativem Insulin muss eine zehn Mal höhere Dosis gegeben werden", sagt der Mediziner Scherbaum. Ein Großteil des Hormons gelange nicht ins Blut, sondern bleibe in der Lunge hängen. "Es ist zu befürchten, dass das Insulin in der Lunge zu Tumorbildung führen könnte."<BR><BR> Mit Langzeit-Studien sei nun erst die Unschädlichkeit des Medikament zu beweisen. Ob eingeatmetes Insulin nach der Zulassung breite Verwendung finden wird, das hängt auch von weiteren Faktoren ab. Durch die höhere Dosis wird die Behandlung teurer. Das inhalierbare Insulin wird die Diabetes-Behandlung zwar bequem machen, aber die Patienten werden sich weiterhin zum Blutzuckermessen in den Finger zu stechen müssen. Ein dauerhafter Therapie-Erfolg hängt immer davon ab, ob der Diabetiker eigenverantwortlich mitarbeitet.<BR></P>

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