Auf Spurensuche im kranken Gewebe

- "Ich forsche nicht nach Arzneimitteln", sagt Professor Hans- Jürgen Wester, der auf ein neues Extraordinariat der Technischen Universität München (TUM) für Radiopharmazie berufen wurde. "Die chemischen Verbindungen, die wir synthetisieren, haben nämlich keinerlei pharmakologische Wirkung.

<P>Unsere Moleküle sind radioaktive Verbindungen, die sich an einem Krankheitsherd anreichern. Sogar ein Zentimeter kleine Metastasen können wir dadurch sichtbar machen - wie bei einer Landkarte." Auf diese Weise sollen krankhafte Prozesse sogar patientenindividuell verständlich werden: Wo liegt der Krankheitsherd genau, wie groß ist er, wie weit ist er entwickelt? </P><P>Für detailliert biochemische Antworten auf diese Fragen entwickelt Professor Wester, der seit 1995 als Chemiker in der Nuklearmedizinischen Klinik der TUM forscht, so genannte Radiopharmaka: Radioaktive Moleküle, die injiziert werden. Im Körper lagern sich die strahlenden Teilchen an Strukturen des erkrankten Gewebes. Am besten wäre dies nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: "Neu daran ist, dass wir nach sehr spezifischen Proteinen oder biochemischen Prozessen suchen, die nur im erkrankten Gewebe vorkommen. </P><P>An die sollen unsere designten Moleküle andocken", erläutert Professor Wester: "Während die Radiopharmaka früher sehr unspezifisch wirkten, sich bei häufig vorkommenden Prozessen im Körper anreicherten, entwickeln wir heute sehr viel präzisere Radiopharmaka. Wir lokalisieren die Biochemie in der Anatomie." Ein Radiopharmakon hat nicht viel mit der angstmachenden Strahlung von Tschernobyl zu tun. </P><P>Die strahlenden Präparate sind organische Moleküle (Peptide), die mit einer gesundheitsverträglichen, radioaktiven Markierung versehen werden. Schon eine halbe Stunde nach der Injektion der Substanz beginnen die Patientenaufnahmen in einem speziellen Tomograph. Das Radiopharmakon muss daher kurzlebig sein: Die Halbwertszeit beträgt etwa zwanzig Minuten - nach Ablauf dieser Zeit zerfällt es und gibt dabei die radioaktive Strahlung ab. "Die Spezifität der Substanzen ist nicht nur auf die Krebsforschung beschränkt.</P><P> Wir arbeiten auch an einem Alzheimer-Imaging. Die neurologischen Veränderungen im Gehirn, die bei der Erkrankung auftreten, sollten auch mit Radiopharmaka visualisiert werden können", hofft Wester. </P>

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