Stadt geht mit Linux in die Testphase

- 30 Millionen Euro hat die Stadt für die große bürokratische "Kulturrevolution" angesetzt. Die Hälfte davon fließt in Schulungen, wie der Oberaufseher des Riesenprojekts und Direktoriums-Chef, Ernst Wolowicz, erläutert. Neben Standard-Software müssen 180 Fachanwendungen in den Referaten der Stadtverwaltung mit der Linux-Basis verknüpft werden - entweder eine Heidenarbeit oder ein Geduldsspiel, bis die Software-Firmen eine Linux-Version gestrickt haben.

<P>Nur die allerwenigsten Stadt-spezifischen Programme laufen auf der neuen Grundlage anstandslos oder per Emulations-Software (= Anpassungsprogramm), sagt Peter Hofmann vom Amt für Datenverarbeitung.</P><P>Die Tests für die Einführung des Computer-Betriebssystems Linux bei der Münchner Stadtverwaltung sind angelaufen. Der Umsteigeplan hatte bei der Software-Konkurrenz ein mittleres Erdbeben ausgelöst und bei vielen Verwaltungs-Organen ein reges Interesse. Unter Fachleuten gilt Linux gegenüber der bisher verwendeten Windows-Basis vor allem deshalb als interessante Alternative, weil aufgrund offener "Quellcodes" eine Anpassung von Spezialanwendungen auf eigene Faust erfolgen könne. Windows dagegen offenbart seine Anknüpfungs-Architektur nicht.</P><P>Für die Stadt gut, für Laien nicht zu empfehlen <P>Eine kleine Umfrage bei den städtischen Experten ergab, dass Linux für die Stadt gut, für Laien-Anwender daheim eher weniger empfehlenswert sei. Der Umgang mit dem offenen System verlange allerhand Fachkenntnis und Extraarbeit - speziell wenn es um die Installation neuer Programme oder Betriebskomponenten geht. Hier sei Windows mit vielfach automatisierten Abläufen Laien-freundlicher. <P>Mit IBM und anderen hat die Stadt Partner, die bei dem bislang in öffentlichen Verwaltungen einmaligen Schritt Hilfestellung leisten wollen. <P>Dieter Reintinger ist Projektleiter der Umstellung im Baureferat, wo die umfangreichste Wandlung der Systeme vollzogen werden muss. Reintinger koordiniert die Arbeit von zehn hauseigenen Testern, die diese Arbeit neben ihrer planmäßigen Tätigkeit leisten. In schwierigen Bereichen könne es durchaus sein, dass sich Kollegen "auf Jahre hinaus" noch in Teilen auf Windows stützen müssten. <P>Im Frühjahr werden dem Stadtrat die anfänglichen Erfahrungen unterbreitet, während die Vorbereitung der Umstellung weitergeht. Mit Beginn des Jahres 2005 sollen die ersten Linux-Programme im Echt-Betrieb laufen, für die weitere Überführung der Systeme seien weitere vier Jahre vorgesehen. <P>Problemlos läuft es bei den klassischen Office-Paketen, die Schreibarbeit, Datenspeicherung und -verknüpfung erlauben. Die gibt es nämlich bereits als Linux-Anwendungen.Word-Texte werden nur unvollständig entschlüsselt <P>Doch schon beim Empfang bestimmter E-Mail-Sendungen, sagt Dieter Reintinger, geht es mit den Unverträglichkeiten los: Die Entschlüsselung intensiv formatierter (bearbeiteter) Texte von dem am weitesten verbreiteten Programm Windows-Word gelingt in der Linux-Umgebung nur unvollständig. <P>Die "Überprüfung der Lauffähigkeit", Anfragen bei Software-Firmen und der immer wieder zuschlagende Computer-Frust wird die Tester vom Amt also noch etliche Jahre begleiten. <P></P><P></P>

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