Stalin-Diskussion am Tropf der Politik

- Die Geschichtswissenschaft hängt am Tropf der Politik. Besonders die Historiker, die sich mit der Geschichte der Sowjetunion auseinandersetzen, bekamen und bekommen dies zu spüren. Dies beweist das Kolloquium des Instituts für Zeitgeschichte in München morgen zum 50. Todestag des ehemaligen Generalsekretärs der sowjetischen KPDSU, Josef Stalin.

<P> Waren die deutschen Ost-Experten bis zu Gorbatschows Glasnost-Politik von russischen Quellen abgeschirmt, eröffneten sich Anfang der 90er Jahre auf einmal zahlreiche Recherchemöglichkeiten in der zusammengebrochenen UdSSR.<BR><BR> "Es war eine Honigmond-Zeit", sagt Jürgen Zarusky, der Initiator des Symposiums "Stalin - eine Zwischenbilanz aus deutscher Sicht".<BR><BR>Öffentliche Diskussion soll vieles klären<BR><BR>Die Tendenz zur Offenheit sei mittlerweile wieder rückläufig. Teilweise sei wieder der alte Stil eingerissen.<BR> Jochen Laufer, einer der Referenten des kompetent besetzten Kolloquiums, drückt es milder aus: "Die Entwicklung zur Öffnung ist viel langsamer, als wir erwarteten." Und wenn man etwas erwarte, dann sei man geneigt, es negativ zu sehen, wenn es langsamer gehe.<BR><BR> Der Referent vom Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam ist seit Jahren gemeinsam mit russischen Kollegen in russischen Archiven der sowjetischen Außenpolitik auf der Spur.<BR> Drei Bände in russischer Sprache liegen schon vor. In einigen Monaten soll "Die UdSSR und die deutsche Frage 1941-1948" auch auf Deutsch erscheinen.<BR><BR> Laufer spricht von einem beachtlichen Durchbruch in der Quellenedition. Und so passt der Pionierarbeit leistende Referent ausgezeichnet zum Konzept des Münchner Symposiums. <BR><BR> Initiator Zarusky will endlich all jene an einen Tisch bringen, die sich mit Stalin und Deutschland befassen. "Es besteht die Gefahr, dass sich die Forschenden aus den Augen verlieren", sagt er. Und Stalins Bedeutung für Deutschland ist groß: Viele deutsche Kommunisten flüchteten in den 30er Jahren vor den Nazis nach Russland und fielen dann dem stalinistischen Terror zum Opfer.<BR><BR> Der Hitler-Stalin-Pakt 1939 und die Teilung Polens bildeten das Fundament für Hitlers Krieg. Die Hauptlast des Siegs über das Nazi-Deutschland habe zudem die Sowjetunion unter Stalin getragen, sagt Zarusky.<BR> Nach dem Krieg war die Sowjetunion in Deutschland Besatzungsmacht. Auch die Diskussion über die Vergleichbarkeit des stalinistischen Terrors mit dem Hitlers sei ein interessantes Thema, sagt Zarusky. Sie werde aber oft nur oberflächlich geführt. <BR><BR> Zarusky wünscht sich eine forschungsgesättigtere Debatte. Deswegen lädt er morgen, am 5. März, zur öffentlichen Podiumsdiskussion der Experten - um 20 Uhr im Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstraße 46a, (Infos unter Tel. 126880 und www.ifz-muenchen.de).<BR></P>

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