Stammzellen: Chancen mit Risiken

- Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist ethisch umstritten. Die neuen biotechnologischen Möglichkeiten aber, die sich durch sie ergeben, sind vielversprechend, wie Prof. Oliver Brüstle vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn auf dem Münchner Kongress "Junge Naturwissenschaft und Praxis" der Hanns Martin Schleyer-Stiftung darzulegen wusste. Es seien zuvor aber noch viele Probleme zu lösen, so der Forscher, der zuerst Erfahrungen mit embryonalen Mäusezellen gemacht hat.

<P>Embryonale Stammzellen, Ursprungszellen, die sich uneingeschränkt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden können, wollen manche Ärzte gegen Krebs, Alzheimer oder Parkinson und auch für die Organtransplantation nutzen. Während im erwachsenen Körper aus Stammzellen (etwa im Knochenmark oder im Blut) nur noch spezielle Zelltypen entstehen, entwickeln sich aus embryonalen Stammzellen über 200 Gewebe-Typen. </P><P>Es gibt drei (in Deutschland verbotene) Wege, die Zellen zu gewinnen: Aus überzähligen Embryonen (Mehrzellern) bei künstlicher Befruchtung, aus abgetriebenen - fünf bis neun Wochen alten - Föten (hier entnimmt man die Vorläufer von Ei und Samenzellen) oder durch Klonen (eine Eizelle wird entkernt, mit dem Erbmaterial einer Körperzelle versetzt, es entsteht eine Zelle, die sich wie ein Embryo weiterentwickelt).</P><P>Erlaubt wurde für deutsche Forscher in (drei) Ausnahmen der Import von gezüchteten Stammzell-Linien, die sich in Gewebe, aber nicht mehr zu Menschen entwickeln können. Brüstle arbeitet mit humanen Stammzellen, die sich zu Nervenzellen entwickeln.<BR>Zwei große Hürden stehen vor der medizinischen Nutzung embryonaler Stammzellen, so Brüstle: "Ein Risiko besteht darin, dass die Zellen zu nicht erwünschten Gewebetypen differenzieren und Tumore bilden." Außerdem haben Stammzellen keine Entwicklung durchlaufen und weisen somit keine Typisierung auf. Je nach Erkrankung sind aber definierte Zelltypen erforderlich.</P><P>"Die Differenzierung muss also im Labor erfolgen", betont Brüstle. In Tierversuchen gelang das bereits. Spenderzellen wurden experimentell zur Behandlung von Diabetes und Morbus Parkinson eingesetzt.</P><P>"Über den Zellersatz hinaus bieten die Stammzellen zahlreiche weitere biomedizinische Anwendungen", so der Neurobiologe. Die Zellen könnten komplexen genetischen Veränderungen unterzogen werden. Dies eröffne die Möglichkeit, "viele Krankheiten in zellulären Modellen zu simulieren."</P><P>In Zukunft, so Brüstle, werden Forscher auch bei der Entwicklung humaner Gewebe maßgeblich beteiligte Gene identifizieren können und "so die entwicklungsbiologischen Programme entschlüsseln."</P><P>Internet: <BR>www.gene.de<BR>Die Homepage bietet ein Informationsforum und ein Lexikon rund um die Biotechnologie und Genetik.</P><P>Beim Robert-Koch-Institut in Berlin kann man die in Deutschland genehmigten Forschungsprojekte nachlesen unter: www.rki.de/GESUND/STEMCELL/STEMCELL.HTM<BR></P>

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