Steve Ballmer verabschiedet sich von Bill Gates

Redmond - Microsoft-Chef Steve Ballmer hat sich am Freitag (Ortszeit) unter Tränen von seinem langjährigen Weggefährten Bill Gates verabschiedet. Bei der betriebsinternen Feier zu Ehren des Microsoft-Mitbegründers Gates wurde Ballmer geradezu von seinen Gefühlen überrollt.

"Ich weiß nicht, wie ich Bill danken soll", sagte Ballmer. "Bill ist der Gründer. Bill ist der Anführer. Das hier ist Bills Baby." Ballmer war vor 29 Jahren von seinem Studienfreund Gates zu Microsoft geholt worden und hatte im Jahr 2000 die Position des CEOs von Gates übernommen.

Bill Gates hatte sich am Freitag nach 33 Jahren an der Führungsspitze von Microsoft aus dem Tagesgeschäft des Software-Konzerns zurückgezogen. Auch er zeigte sich zum Abschied sehr bewegt: "Es wird keinen Tag in meinem Leben geben, an dem ich nicht an Microsoft denken werde", sagte Gates vor rund 800 Beschäftigten, die sich zur seiner Verabschiedung versammelt hatten.

Gates will sich künftig auf seine wohltätige Arbeit in der Bill & Melinda Gates Foundation konzentrieren. Die Stiftung ist mit mehr als 37 Milliarden Dollar die wohl am besten ausgestattete in der Welt. Der 52-jährige bleibt aber in einer Teilzeitfunktion Präsident (Chairman) des Microsoft-Verwaltungsrats (Board of Directors) und einer der größten Aktionäre von Microsoft.

Nach dem "Transition Day", dem Tag des Übergangs, sollen Ray Ozzie als "Chef-Software-Architekt" sowie Craig Mundie als "Forschungs- und Strategie-Chef" die Rolle von Bill Gates übernehmen. In einer E-Mail an aller Microsoft-Mitarbeiter schrieb Gates am Freitag, er werde künftig "bei einer Handvoll Projekte helfen, die Steve (Ballmer), Ray (Ozzie) und Craig (Mundie) auswählen."

Gates räumte an seinem letzten Arbeitstag ein, Microsoft habe die Dynamik der Internet-Suche und der Online-Werbung unterschätzt. "In der Software-Branche muss man die Wendungen der Straße im Voraus ahnen. Wir haben die Themen Suche und Werbung (im Internet) verpasst." In den vergangenen Monaten hatte Microsoft vergeblich versucht, das von Gates eingestandene Defizit im Internet-Markt durch die Übernahme des Internet-Pioniers Yahoo auszugleichen.

Der Microsoft-Mitbegründer zeigte sich aber auch zuversichtlich, dass die neue Unternehmensführung um Ballmer, Ozzie und Mundie für die Herausforderungen der Zukunft gut gewappnet sei.

Die New Yorker Börse Nasdaq reagierte gelassen auf den Rückzug von Gates. Die Microsoft-Aktie schloss am Freitag (Ortszeit) bei 27,63 Dollar, 12 Cent (0,43 Prozent) unter dem Vortageswert. Allerdings hat das Papier seit Jahresanfang rund 22 Prozent nachgegeben.

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