Die stille Gefahr der Vulkanseen

- Vulkangebiete geben Geowissenschaftlern immer noch viele Rätsel auf und bergen unberechenbare Gefahren für die Menschen, die in der Umgebung siedeln. Ein eher seltenes aber hochriskantes Phänomen von Vulkanseen ist die plötzliche Ausgasung von Kohlendioxid.

<P>Vulkanseen bilden sich in Kratern von Feuerbergen. Auch wenn die Vulkane lange Zeit nicht aktiv waren, sodass sich das Wasser sammeln konnte, müssen sie nicht vollständig erloschen sein. Viele von ihnen brodeln weiter.<BR><BR>Bis zum Jahr 1986 waren Kohlendioxid-Eruptionen aus Vulkanseen den Geowissenschaftlern unbekannt. Damals wurden sie dann unvorbereitet mit dem Phänomen in Form einer Katastrophe konfrontiert. Eine große Kohlendioxid-Eruption am afrikanischen Vulkansee "Lake Nyos" in Kamerun forderte rund 1700 Menschenleben.<BR><BR>Bis heute weiß man nicht, wie es zur plötzlichen Freisetzung des Kohlendioxids aus Vulkanseen kommt. "Es ist möglich, dass das Kohlendioxid aus der Magmakammer unter dem See ausgast, durch die Felsspalten nach oben dringt und sich im Tiefenwasser löst", sagt Günter Gunkel vom Fachgebiet Wasserreinhaltung am Institut für Technischen Umweltschutz der TU Berlin.<BR><BR>Gunkel untersucht mit ecuadorianischen Kollegen von der Universidad Central die Anreicherung von Kohlendioxid in tiefen Vulkanseen.<BR>Wie schnell ändert sich die Kohlendioxid-Konzentration innerhalb des Sees? Kann man chemische Fällungsreaktionen nachweisen und gibt es Hinweise darüber, ob in vergangener Zeit Hangrutsche stattgefunden haben? Dies sind nur einige Fragen, die Gunkel und sein Team in Ecuador beantworten wollen. Dafür entnehmen die Forscher aus zwei Vulkanseen, dem Quilotoa und dem Cuicocha, Wasserproben aus unterschiedlichen Tiefen, bis zu 250 Meter und untersuchen die Sedimente.<BR><BR>"Es ist schwer, diese Forschungen durchzuführen", sagt Gunkel. Der Quilotoa befindet sich auf 4000 Meter Höhe. Von dort oben fällt der Krater bis zur Seeoberfläche 300 Meter steil ab.</P><P>Der Lohn für die Strapazen soll zu einem Modell führen, das erklärt, warum das gesamte Kohlendioxid plötzlich aus dem See heraussprudelt. "20 Liter des Gases lösen sich in einem Liter Wasser", erläutert Gunkel. "Wenn das Gemisch schlagartig nach oben austritt, wirkt der See, als würde er kochen", sagt Gunkel.<BR><BR>Eine 20 Kubikkilometer große Gaswolke würde sich ausbreiten. Und da das Kohlendioxid schwerer als Luft ist, sinkt es zu Boden. Menschen und Tiere würden wie am "Lake Nyos" ersticken. <BR><BR>Um dies zu verhindern wollen die Forscher herausfinden, ob es beispielsweise Erdbeben sind, die das Kohlendioxid plötzlich nach oben treten lassen oder ob im See thermische Prozesse stattfinden. <BR><BR>"Nach der Katastrophe in Afrika wurden die Kraterseen in Japan untersucht, aber in Lateinamerika fehlte das Geld", sagt Gunkel. "Unser Projekt soll dazu führen, dass Siedlungsgebiete im Bereich der Vulkanseen dann als sicher oder unsicher ausgewiesen werden können", sagt Gunkel. "Vielleicht könnten betroffene Seen in Zukunft auch kontrolliert entgast werden, hofft der Geowissenschaftler. <BR><BR>Von drei Seen in Afrika ist bekannt, dass sie die Gefahr der plötzlichen Kohlendioxid-Eruption in sich bergen. Sie alle sind tickende Zeitbomben, die Millionen von Menschen bedrohen. <BR></P>

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