Aley Jones hat mit seinem Selfie für Aufsehen gesorgt.

"Überfall" wird zum Klick-Hit

Was stimmt nicht an diesem Prügel-Selfie?

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München - Auf einem tausendfach geteilten Facebook-Selfie berichtet ein Mann mit einem blauen Auge, Ausländer hätten ihn überfallen. Doch wer genau liest, erlebt sein blaues Wunder.

Mit leicht verdutztem Gesichtsausdruck blickt Aley Jones in die Kamera. Deutlich zu sehen sind ein Veilchen auf der rechten Seite und eine Schramme über der linken Augenbraue des jungen Mannes. Was ist passiert? Drei Männern hätten beim Abendspaziergang mit seiner kleinen Tochter versucht, ihn auszurauben, berichtet der studierte Sozialpädagoge. Da er kein Geld bei sich hatte, hätten sie ihn verprügelt. Die Täterbeschreibung fällt dürftig aus, aber: "Deutsch haben sie nicht gesprochen", ist sich Jones sicher. "Sie haben nur ein aufforderndes: "Money" mit ausgestreckter Hand rausgebracht." Er endet seinen Bericht mit den Worten: "Wie soll das in unserem Land noch weitergehen mit diesen Asylanten und Flüchtlingen? Macht doch mal die Augen auf!!!"

Facebook-Beiträge wie dieser häufen sich in letzter Zeit deutlich, und sie werden gerne geteilt - vorrangig von Menschen, die immer schon gewarnt haben, dass die Verbrechensrate steigen wird, je mehr Ausländer und Flüchtlinge zu uns kommen. Mit einem einfachen Mausklick lassen sich online bequem Ressentiments gegen Menschen schüren, die hier Zuflucht suchen und die für die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht selten ihr eigenes riskiert und ihr Hab und Gut aufgegeben haben.

"Es war ganz anders!"

Doch wer Jones' Bildkommentar weiterliest, dem wird der behagliche Teppich der Vorurteile unter den Füßen weggezogen: "Ach nein sorry, es war ganz anders", schreibt Jones. Der Überfall war nämlich frei erfunden und der angebliche Beweis für die Tat, das blaue Auge, hat ihm ein Freund verpasst - Photoshop sei Dank! "Nur in einem Punkt habe ich die Wahrheit gesagt", fährt Jones fort: "Leute, macht endlich die Augen auf, glaubt nicht immer alles was ihr seht, sondern hinterfragt das ganze."

Mit der Schock-Aktion habe er "zum Nachdenken bewegen" wollen. Dass ihm das gelungen ist, sieht man daran, dass das Bild samt Lügen-Geschichte und Auflösung in drei Tagen über 4300 Mal auf Facebook geteilt wurde.

Dabei gibt es nicht nur Lob für die Aktion: Vor allem "besorgte Bürger" scheinen sich in ihrer Leichtgläubigkeit ertappt zu fühlen und kritisieren wenig sachlich den (wie sie es nennen) "Gutmenschen" und "Moralapostel". Andere werfen dem jungen Vater "Klickgeilheit" vor und finden, er mache sich über tatsächliche Opfer von Ausländern und Flüchtlingen lustig, deren Verbrechen er so verharmlose. Doch das weist dieser mit dem Hinweis von sich, dass man bitte nicht verallgemeinern sollte.

So warnt die Polizei vor ausländerfeindlichen Gerüchten

Die Diskussion zeigt auch, wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung mittlerweile ist. Wem kann man noch glauben? Nicht nur die Medien, sogar die Polizei muss sich mittlerweile vor Anschuldigungen wehren, sie würde "Sachverhalte konstruieren, um eine gute Meinung über Flüchtlinge zu produzieren".

Unsere Beiträge erstellen wir nach besten Wissen und Gewissen! Wir stehen für gute und sichere Infos, zu jedem unserer...

Posted by Polizei NRW Essen on Freitag, 9. Oktober 2015

Auch die Polizei Sachsen warnt vor "Schreckensmeldungen und Gerüchten", die sich "unkontrolliert über das Internet verbreiten". "Sie zielen augenscheinlich auf das perfide Schüren von Ängsten ab. Gleichwohl finden sich gerade in sozialen Netzwerken immer wieder Personen, die derartige Meldungen ungeprüft verbreiten, ohne den Wahrheitsgehalt der Nachricht oder die Folgen des eigenen Handelns zu bedenken. Selbst in der Absicht, vor einer wie auch immer gearteten „Gefahr“ warnen zu wollen, ist jeder für sein Handeln auch im Internet verantwortlich. Das entbindet nicht vom Nachdenken, bevor man in Sekundenbruchteilen einen Mausklick ausführt! Beiträge im Internet ungeprüft zu verbreiten, ohne den tatsächlichen Wahrheitsgehalt zu kennen, kann einen regelrechten Hype hervorrufen. Es ist davon auszugehen, dass genau das von den Initiatoren derartiger Meldungen gewollt ist. Bewahrt daher einen kühlen Kopf und fallt nicht auf die Hetze herein."

Viele Schreckensmeldungen und Gerüchte verbreiten sich in den letzten Wochen unkontrolliert über das Internet. Sie...

Posted by Polizei Sachsen on Montag, 5. Oktober 2015

Die Polizei Oberbayern Süd widerspricht vehement dem Vorwurf,  bewusst Vorfälle zu verschweigen: "Sollte es zu polizeilichen Vorfällen kommen, werden wir die Öffentlichkeit - wie sonst auch - anhand von Tatsachen und im Rahmen rechtlicher Möglichkeiten informieren. Unser Interesse ist es, gemeinsam mit der Bevölkerung und unseren Sicherheitspartnern für eine sichere Heimat zwischen Zugspitze und Salzach zu sorgen. Jeder kann einen Beitrag leisten. GERÜCHTE SIND KEIN BEITRAG!"

Trau, schau, wem... - auch im südlichen Oberbayern:Unsere Kollegen und Dienststellen registrieren aktuell vermehrt...

Posted by Polizei Oberbayern Süd on Dienstag, 6. Oktober 2015

hn

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