Die Suchmaschine Google entfernt beleidigende Seiten-Links in ihrer Trefferliste, sofern Nutzer das beantragen. Über Umwege bleiben die Links aber einsehbar.

Beleidigungen sind weiter auffindbar

Stiftung Warentest wehrt sich: Streit um Löschung von Google-Treffern

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Wer in der Google-Trefferliste Links zu Seiten mit beleidigendem Inhalten sperren lässt, muss damit rechnen, dass die Seiten weiterhin über Umwege bei Google zu finden sind. Die Stiftung Warentest sieht darin einen Verstoß gegen geltendes Recht.

München – Der Streit zwischen dem Unternehmer Rainer von Holst und der Stiftung Warentest schwelt seit Monaten: Seit Sommer 2017 berichtete die Zeitschrift „Finanztest“ immer wieder über Machenschaften des Unternehmers. Von einem „kriminellen System“ ist in den Artikeln die Rede. Rainer von Holst sitze in den USA, fern der deutschen Justiz, von dort „zockt er mit seinem Clan Anleger ab, die auf sichere Zinsen hoffen“, schrieb eine „Finanztest“-Reporterin und konnte belegen, wie der Unternehmer Anleger um „zig Millionen Euro“ geprellt und Unternehmen erpresst haben soll. Ehemalige Von-Holst-Mitarbeiter hätten „Finanztest“ eine Fülle interner Unterlagen übergeben, aus denen hervorgehe, wie er Anleger hereingelegt und Unternehmen durch den vermeintlich unabhängigen Onlinedienst „Gerlachreport“ erpresst habe.

Und um genau diesen „Gerlachreport“ geht es im gestern angefachten Google-Streit: Der von der Stiftung Warentest angeprangerte Report hatte vergangene Monate auf seine Art zurückgefeuert: Das in den USA registrierte Portal warf der „Finanztest“-Reporterin vor, sie habe sich „schmieren lassen“ und unterstellte ihr Lügen. Die Stiftung Warentest – bekannt für ihre gründliche Recherchen – hielt die Vorwürfe für frei erfunden und ging gegen das Portal wegen Rufschädigung vor, allerdings nicht gerichtlich.

Wie die Stiftung Warentest gestern in Berlin mitteilte, ging es ihr darum, die rufschädigenden Links zu den Seiten aus der Google-Trefferliste streichen zu lassen. Da der „Gerlachreport“ in Deutschland keine ladungsfähige Adresse gehabt habe, habe die Stiftung Warentest bei Google beantragt, die Suchergebnisse von 24 Links zu unwahren Behauptungen und Beleidigungen in Artikeln des „Gerlachreport“ zu löschen, erklärte die Stiftung Warentest gestern.

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Mit der Löschung der Links war die Stiftung Warentest aber alles andere als zufrieden: „Google entfernte sie zwar, verwies aber per Link auf eine Datenbank, über die rufschädigende Aussagen weiterhin auffindbar sind.“

Etwas einfacher formuliert: Sobald Nutzer in die Suchleiste von Google den Begriff „Gerlachreport“ eintippen, spuckt die Suchmaschine jetzt nicht mehr nur Suchtreffer aus. Zusätzlich erscheint eine Liste, in der Google seine Nutzern darauf hinweist, dass bestimmte Suchergebnisse entfernt wurden. Wer wissen will, welche Suchergebnisse gelöscht wurden, kann auf einen weiteren Link klicken. Dort gelangt der Nutzer auf eine US-Datenbank namens Lumen und erhält dort Zugang zu den Seiten, die in der ursprünglichen Trefferliste von Google gesperrt sind. Laut Google ist Lumen eine von der Harvard Universität betriebene Datenbank, die Transparenz bezüglich der Google-
Suchergebnisse herstellen soll.

Entfernte Linkserscheinen weiterhin in Lumen-Datenbank

Dass Google den Schutz persönlicher Daten und Rechte nicht ernst nehme, zeige aber die Reaktion auf verschiedene Gerichtsbeschlüsse, so der Vorwurf der Stiftung Warentest gestern. Demnach waren zwei Firmen rechtlich gegen Google vorgegangen, weil sich der Suchmaschinenbetreiber weigerte, Links auf Artikel im „Gerlachreport“ mit frei erfundenen Behauptungen zu entfernen. Die Unternehmen hätten daraufhin eine einstweilige Verfügung erwirkt. Das Landgericht Berlin habe beiden Anträgen stattgegeben und Google verboten, die Links weiter anzuzeigen, so die Stiftung Warentest. „Doch trotz gerichtlicher Verbote verlinkt Google weiter auf die Datenbank Lumen, über die die Artikel weiterhin zu finden sind.“

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Google selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut Stiftung Warentest begründet der Konzern sein Vorgehen mit einer fehlenden Rechtskraft der Urteile. Die Stiftung Warentest hält diese Begründung aber für nicht nachvollziehbar: „Das Argument ist falsch, da sich in Deutschland jeder an eine einstweilige Verfügung halten muss, solange sie nicht wieder aufgehoben wird.“ Verstöße ahnde ein Gericht normalerweise mit Ordnungsgeldern, in diesem Fall mit bis zu 250 000 Euro pro Fall. Da Google seinen Firmensitz in den USA habe, sei das Geld bei Google allerdings nur schwer einzutreiben.

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